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Paläogenetik:Afrikaner tragen Neandertaler-Erbgut in den Genen

Neandertaler Illustration vom WISSEN
Einmalige Nutzung im Zusammenhang mit dem Artikel!!!!

Bisher gingen Forscher davon aus, dass nur Europäer und Asiaten das Erbe der Neandertaler in sich tragen.

(Foto: Matilda Luk, Princeton University)
  • Mit einem neuen Verfahren konnten US-Forscher das Erbgut der ausgestorbenen Frühmenschen bis nach Afrika verfolgen.
  • Die Studie gibt auch Aufschluss über die Wanderbewegungen der frühen Menschen zwischen Afrika und Europa.
  • Zudem zeigt die Analyse, dass sich Mensch und Neandertaler mindestens zweimal vermischten.

Dass sich der moderne Mensch vor gut 50 000 Jahren im Mittelmeerraum auch mit Neandertalern paarte und Europäer seither etwa zwei Prozent Neandertaler-Erbgut in sich tragen, ist mittlerweile Konsens unter Forschern. Asiaten haben einigen Studien zufolge sogar etwas größere Neandertalerspuren im Genom als Menschen mit europäischen Wurzeln.

Ein Team um den Paläogenetiker Joshua Akey von der amerikanischen Universität Princeton zeigt nun, dass es auch im Erbgut heute lebender Afrikaner Spuren von Neandertaler-DNA gibt - eine Überraschung, von der die Genetiker im Fachmagazin Cell (online) berichten. Bislang war man davon ausgegangen, dass heutige Afrikaner keine Neandertaler-Gene in sich tragen, da deren Vorfahren nie Kontakt mit der euro-asiatischen Frühmenschenart hatte. "Es ist das erste Mal, dass wir tatsächliche Signale der Neandertaler-Abstammung bei Afrikanern erkennen können", sagt Princeton-Forscherin Lu Chen.

Die Wissenschaftler schildern zudem ein mögliches Szenario für diese Vermischung: Die genetischen Daten legen nahe, dass es tatsächlich keine direkte Paarung von Neandertalern und afrikanischen Frühmenschen in Afrika gab, sondern Nachfahren moderner Menschen, die Neandertalererbgut in sich trugen, wieder zurück nach Afrika wanderten. Zudem zeigt das Neandertalererbe der heutigen Afrikaner, dass sich Menschen schon lange vor der großen Out-of-Africa-Wanderung nach Europa aufgemacht und mit Neandertalern vermischt hatten.

Die Vorfahren heutiger Menschen wanderten nicht nur aus Afrika heraus - sondern auch zurück

Zwar konnten sich diese frühen Menschen in Europa nicht behaupten, aber sie haben ihrerseits Spuren im Erbgut der Neandertaler hinterlassen. Dieses Erbgut ging dann auf die später eingewanderten europäischen Menschen über und wurde schließlich über Rückkehrer wieder nach Afrika gebracht. Die Ergebnisse verdeutlichen damit abermals, dass es zwischen Menschen und den eng verwandten Neandertalern oder Denisova-Menschen immer wieder zu Sex und Nachwuchs kam. Und: Auch die Wander-Bewegungen verliefen nicht ausschließlich aus Afrika heraus, sondern ebenso in die andere Richtung.

Die Princeton-Forscher verwendeten für ihre Analyse eine neuartige Methode, das die Länge konkreter DNA-Abschnitte miteinander vergleicht. Je näher zwei Menschen miteinander verwandt sind, desto länger ist demnach der übereinstimmende Teil eines Gens. Geschwister haben sehr lange solche Abschnitte gemeinsam, Cousins schon kürzere Abschnitte, da der letzte gemeinsame Vorfahr in der Großelterngeneration liegt.

Das Princeton-Team nutzte dieses sogenannte "identity by descent"-Prinzip, kurz IBD, um Spuren von Neandertaler-DNA im menschlichen Genom von gut 2500 Menschen aus allen Teilen der Welt zu identifizieren. Die Forscher konnten dabei auch Neandertaler-Sequenzen aus der vergleichsweise jüngeren Vergangenheit (50 000 Jahre) von solchen unterscheiden, die aus einer gemeinsamen, sehr viel weiter zurückliegenden Vergangenheit (rund 500 000 Jahre) stammen, als die Vorfahren der Neandertaler Afrika in Richtung Europa verließen. Die Paläogenetiker betonen, dass ihre neue Methode sich allein auf Merkmale von Neandertaler-DNA stützt und ohne den bislang üblichen Vergleich mit Referenzpopulationen auskommt, welche die Analysen verzerren könnten.

Genau solche Verzerrungen vermuten die Princeton-Forscher bei Studien, die in Menschen aus Ostasien einen höheren Neandertaleranteil im Erbgut ergeben hatten als in Europäern. In beiden Regionen lägen die Werte doch eher nah beieinander, um zwei Prozent.

© SZ vom 31.01.2020
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