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Naturschutz:Wo die wilden Tiere wohnen

Biber, Luchse, Wisente: Die Wiederansiedelung ausgestorbener Arten ist oft zu wenig durchdacht.

Auf seinen Ländereien im Rothaargebirge will Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, einer der größten deutschen Waldbesitzer, im Frühjahr 25 Wisente auswildern.

Wo die wilden Tiere wohnen: Biber, Luchse, Wisente: Die Wiederansiedelung ausgestorbener Arten in Deutschland ist oft zu wenig durchdacht.

Leben seit ein paar Jahren wieder im Hartz: Luchse. Doch um auf Dauer überleben zu können, ist die Population zu klein.

(Foto: Foto: ddp)

Europas größtes und schwerstes Landsäugetier Bison bonasus ist bis zu 1,85 Meter groß und kann knapp eine Tonne wiegen. Einst gab es die Tiere in ganz Europa, bis ihnen vor etwa 200 Jahren der Mensch mit Waldrodung und moderner Forstwirtschaft, vor allem aber durch intensive Jagd den Garaus machte.

Noch heute spricht man von Hochwild, was auf das einstige Vorrecht des Hochadels hinweist, Hirsche, Gämsen, Wildschweine und eben auch Wisente zur Strecke zu bringen. Und nun will ausgerechnet ein Adeliger wieder Wisente in Deutschland heimisch machen. Nicht um sie zu jagen, sondern ,,weil der Wisent es dem Prinzen angetan hat'', betont dessen Forstdirektor Johannes Röhl.

,,Für solche Vorhaben ist immer ein Liebhaber nötig, der das Projekt vorantreibt'', sagt Michael Mühlenberg. Der Ökologe von der Universität Göttingen hat schon viele Wiedereinbürgerungsprojekte in den verschiedensten Ländern begleitet und bewertet. In der Regel setzten sich Leute für spektakuläre Arten wie eben den Wisent ein, sagt er. Für die Wiederansiedlung einer ausgestorbenen Schnecke oder Assel interessiere sich dagegen niemand sonderlich.

Doch sind solche Liebhaberprojekte auch ökologisch sinnvoll? ,,Nur dann, wenn die Ursachen für die Ausrottung beseitigt wurden'', sagt Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz. Mühlenberg bezweifelt, dass diese Voraussetzung für die Wisente erfüllt ist: ,,Der Wisent braucht möglichst natürliche Wälder. Die gibt es bei uns nicht mehr. Und ein Wisent macht aus einem modernen Wirtschaftswald keinen Urwald.''

Ein Paradebeispiel dafür, wie die vom Menschen veränderte Natur ausgesetzten Tieren das Überleben schwermachen kann, sind Wiedereinbürgerungsversuche von Auerwild: Herbert Volkmer, Förster in Bödefeld, einem kleinen Dorf im Sauerland, steuert seinen Wagen über Stock und Stein, dicke Wurzeln ragen aus dem Weg, der durch einen Fichtenwald führt. Am Rand eines riesigen Moores bleibt er stehen und blickt auf die weite Fläche. ,,Hier waren früher immer welche'', sagt er. Doch im Februar 1972 waren die beinahe gansgroßen Hähne und die deutlich kleineren Hennen plötzlich verschwunden.

Ein paar Jahre später kamen Experten der Bonner Forschungsstelle für Jagdkunde nach Bödefeld. Sie liefen tagelang durch die Wälder der Hunau, einem 818 Meter hohen Bergrücken. Am Ende sagten sie Volkmer, dass es hier demnächst wieder Auerhähne geben werde. Man werde einfach Tiere aussetzen, kein Wald der Gegend sei dafür so gut geeignet wie dieser.

1980 wurden die ersten vier Tiere freigelassen, ein Jahr später baute man eine große Voliere. In die setzten Biologen drei Monate alte Küken hinein. Nach einigen Wochen ließ man die Tiere dann frei. Zwölf Jahre lang wurden nach diesem Prinzip mehrere hundert Auerhühner und -hähne ausgesetzt, in jedem Jahr 20 bis 40 Stück.

Doch den Vögeln ging es nicht gut. Sie wurden immer weniger, bis sie vor vier Jahren schließlich wieder ganz verschwanden. Denn eines hatten die Förster und Biologen nicht bedacht: Das Auerwild konnte sich nicht an die veränderten Umweltbedingungen anpassen. In dem ausgesuchten Wald gab es nur wenig natürliche Deckung, unter der sich die Tiere verstecken konnten. Außerdem schreckten Wanderer die scheuen Hennen mit ihren Küken immer wieder auf. Auch waren die zum Teil von Hand aufgezogenen Tiere sehr unvorsichtig.

Alles zusammen bewirkte, dass sie eine leichte Beute für Fuchs und Habicht waren. Um die Tiere zu schützen, schossen die Förster die Habichte sogar ab oder fingen sie ein. Doch die Auerhühner blieben nicht in dem von den Biologen als ideal auserkorenen Wald, sie flogen auch in andere Wälder, wo sie dann von den Raubvögeln gefressen wurden.