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Natur:Verband: Umwelt- und Klimaschutz auch in Corona-Zeiten

Deutschland
Ein Mitglied der Thüringer Naturschutzjugend (Naju) fängt mit einem Lupenbecher einen Marienkäfer. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

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Erfurt (dpa/th) - Der Natur- und Umweltschutzverband BUND Thüringen fordert von der Landesregierung im Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben einen Gesellschaftsvertrag. Damit solle sich das Land zu einem Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit verpflichten und diesen Schritt vor allem finanziell mit einem Fonds unterstützen, erklärte der Vorsitzenden des BUND Thüringen, Ron Hoffmann, am Mittwoch in Erfurt. Ein solcher Vertrag sollte aber auch Einzelpersonen, Wissenschaft und vor allem auch der Wirtschaft Gestaltungsmöglichkeiten hin zu einer umweltfreundlicheren Gesellschaft ermöglichen.

In dem Vertrag sollte unter anderem die konsequente Förderung eines flächendeckenden öffentlichen Nahverkehrs und ein Klimaschutzfahrplan mit verbindlich festgelegten jährlichen Reduktionszielen bei Treibhausgasen fixiert werden, so der BUND. Auch sollte darüber nachgedacht werden, ob Erfurt tatsächlich einen eigenen Flughafen brauche.

Hintergrund ist unter anderem, dass die Naturschützer den Kampf gegen den Klimawandel aktuell in der politischen Debatte von der Corona-Krise überschattet sehen. "Wer jetzt eine Abwrack-Prämie für Verbrenner fordert, heizt das Klima auf, nicht die Konjunktur. Denn: Nach Corona ist die Klimakrise nicht vorbei", so Hoffmann.

Er fürchte, dass die Chancen für eine andere Umweltpolitik in Thüringen nicht wirklich ergriffen werden würden. "Die Politik ist eher damit beschäftigt, akute Probleme zu lösen, statt weiter in die Zukunft zu denken", kritisierte Hoffmann. Dabei zeigten die Mittel, die der Staat zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mobilisieren konnte, dass Rahmenbedingungen für solche umfassenden Problemlagen geschaffen werden könnten.

Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) und Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) hatten im Mai bereits erklärt, dass die Corona-Krise und die Klimakrise gemeinsam angegangen werden müssten. Um das zu erreichen, hatten sich die beiden auch für die Aufnahme von Krediten ausgesprochen. Ein Corona-Konjunkturprogramm müsste einen "Green Deal" zur ökologischen Umgestaltung der Wirtschaft befördern, hieß es. Im nächsten Haushalt sollten Mittel bereitgestellt werden, die Anreize für klimaschonendes Verhalten und für klimaverträgliche Investitionen setzten.

Hoffmann betonte auch, dass mögliche positive Effekte der coronabedingten Einschränkungen im öffentlichen Leben und der Wirtschaft in der Natur Thüringens nur über einen kurzen Zeitraum zu beobachten gewesen seien. So habe man wahrnehmen können, dass Tiere durch den reduzierten Straßen- und Flugverkehr weniger verstört gewirkt hätten.

Der BUND Thüringen zählt eigenen Angaben nach inzwischen 7000 Mitglieder - vor zehn Jahren waren es 2000 gewesen.

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