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Natur - Magdeburg:Borkenkäfer und Corona "Brandbeschleuniger für Waldkrise"

Borkenkäfer
Baustümpfe ragen an der Brockenstraße in die Höhe. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa (Foto: dpa)

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Magdeburg (dpa/sa) - Die Waldkrise wird sich nach Einschätzung des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt wegen der Corona-Krise und der bevorstehenden ersten Borkenkäfer-Invasion deutlich verschärfen. "In den Wäldern bahnt sich ein Drama an", sagte der Verbandsvorsitzende Franz Prinz zu Salm-Salm der Deutschen Presse-Agentur. "Corona und der Borkenkäfer sind zusammen wie Brandbeschleuniger." Die "Entwaldung" werde sich fortsetzen, sagte Salm-Salm.

Auch, weil die Wetterprognosen düster seien und wohl ein weiteres Jahr mit Borkenkäferplagen bevorstünde. "Wir hatten 2019 teilweise vier Populationen und damit doppelt so viele wie normal", so der Experte. "Und die Käfer sind ja nicht weg. Die sind noch da."

Von Käfern befallene Bäume müssten sofort aus dem Wald gebracht und benachbarte Bestände auf Befall überprüft werden. Auch dem Umweltministerium zufolge ist es wichtig, das befallene Holz schnell abzufahren. Dafür gebe es laut Richtlinie "Waldschutz" Geld vom Land, hieß es.

Salm-Salm zufolge stapelt sich in den Wäldern aber das Holz, weil es fast keine Abnahmemöglichkeiten mehr gebe. "Der Markt ist im Grunde komplett weggebrochen. Die Corona-Krise hat alles noch schlimmer gemacht. Und jetzt kommt der Käfer und wir bekommen nichts raus." Empfohlene Fangsysteme seien zwar gut, müssten aber vom Waldbesitzer vorfinanziert werden. "Es ist kein Geld da. Die meisten Waldbesitzer haben längst resigniert." Was unternommen werde, seien vielfach nur "Verzweiflungstaten." Dem Land wirft Salm-Salm verfehltes Krisenmanagement vor, Reaktionen kämen immer zu spät.

Laut Umweltministerium hat der Borkenkäferflug bereits begonnen - in den nächsten Tagen werde sich das Ausschwärmen aus den Winterquartieren wegen der warmen Temperaturen verstärken. "Erfahrungsgemäß kann spätestens nach den ersten ein bis drei Flugtagen erster frischer Stehendbefall auftreten", heißt es in einer Mitteilung. Waldbesitzer sollten spätestens jetzt Fangsysteme aufstellen und "scharfschalten". Das seien zum Beispiel mit Lockstoffen und einem Insektizidbelag präparierte Fangholzhaufen.

"Der Wald ist das erste Opfer der Klimakrise. Die Trockenheit und die Stürme haben es den Schädlingen einfach gemacht", sagte Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne). "Die Schäden der Jahre 2018 und 2019 stellen in Sachsen-Anhalt eine Zäsur dar." Deshalb sei es spätestens jetzt an der Zeit, den Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern zu beschleunigen, so Dalbert.

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