Invasive Arten:Warum Gran Canarias typische Rieseneidechse bedroht ist

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Invasive Arten: Aufgrund ihrer Musterung ist die Schlange eine beliebte Wahl für heimische Terrarien.

Aufgrund ihrer Musterung ist die Schlange eine beliebte Wahl für heimische Terrarien.

(Foto: imago stock&people)

Erst kamen die Touristen auf die Kanareninsel, dann die Kalifornische Kettennatter. Wie, ist bis heute nicht geklärt. Klar ist nur: Für inseltypische Echsen sieht es nicht gut aus.

Von Patrick Illinger

Etwa 2,8 Millionen Touristen jährlich besuchen Gran Canaria, die drittgrößte der acht Kanarischen Inseln. Skandinavier, Engländer und Deutsche fühlen sich auf dem runden, landschaftlich abwechslungsreichen Eiland besonders wohl - ob in der Hauptstadt Las Palmas oder Küstenorten wie Maspalomas und Puerto de Mogán.

1957 begann der Massentourismus mit ersten Charterflugzeugen. Vierzig Jahre später kamen dann Besucher ganz anderer Art hinzu: Unter bis heute nicht geklärten Umständen hat eine invasive Schlangenart spätestens 1998 den Weg auf die Insel gefunden. Die dunkelbraun gefärbte, mit gelben Streifen gemusterte, gut einen Meter lange Kalifornische Kettennatter fühlt sich seither auf Gran Canaria mindestens so wohl wie die menschlichen Touristen. Die eigentlich in Mexiko und dem Südwesten der USA heimische Schlangenart hat sich vermehrt, verbreitet, und wie man jetzt weiß: Sie hat die einheimische Reptilienfauna nahezu ausgerottet.

Das für Menschen ungefährliche Tier (auch wenn es manchmal schnappt) hat auf der Kanareninsel seinen idealen Lebensraum vorgefunden. Es liebt die karge, trockene Landschaft ebenso wie die Temperaturen, die ähnlich sind wie im Südwesten der USA. Auch die Nahrung passt perfekt. Letztere besteht unter anderem aus den für Gran Canaria typischen Echsenarten, unter ihnen die bis zu 80 Zentimeter lange Gran-Canaria-Rieseneidechse (Gallotia stehlini).

Das Ausmaß der Vernichtung einheimischer Reptilien haben Julien Piquet und Marta López-Darias vom Instituto de Productos Naturales y Agrobiología kürzlich im Fachblatt Proceedings of the Royal Society B beziffert. Es sieht nicht gut aus für die inseltypischen Echsen: Den Untersuchungen zufolge ist die Population der Gran-Canaria-Riesenechsen in den von der Kettennatter befallenen Gebieten um 90 Prozent kleiner als in den noch unbefleckten Zonen. Eine weitere, Kanarenskink genannte Echsenart mit farbig leuchtendem Schwanz, ist um 80 Prozent zurückgegangen. Von den gestreiften Kanarengeckos gibt es nur noch halb so viele wie es normal wäre.

Diverse Kampagnen zur Eindämmung der Kettennatter schlugen fehl

Bis 2007, so berichten es einheimische Wissenschaftler, haben die kanarischen Umweltbehörden das Problem nicht ernst genommen. Dann waren die Nattern in einigen Schluchten im Nordosten der Insel so häufig anzutreffen, dass die Anwohner Alarm schlugen. Trotz diverser Kampagnen und Initiativen, bei denen auch Hunde und Greifvögel zum Einsatz kamen, schlugen alle Versuche fehl, den Vormarsch von Lampropeltis californiae, so die Artenbezeichnung der Natter, aufzuhalten. Auch ein Förderprogramm der EU half nicht.

Vogelhalter auf Gran Canaria mussten die Schlangen bereits aus den Käfigen ihrer Tiere zerren. Mit dem Verlust einheimischer Tierarten ist auch die Pflanzenwelt bedroht, denn Tiere wie die Gran-Canaria-Rieseneidechse tragen viel zur Verbreitung von Samen bei. Echsen regulieren außerdem den Insektenbestand. Wie die gefräßige Natter einst auf die Kanareninsel kam, ist umstritten. Aufgrund ihrer Musterung ist die Schlange jedoch eine beliebte Wahl für heimische Terrarien. Womöglich sind die ersten Exemplare einst aus einem Privatgehege entkommen oder wurden ausgesetzt.

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