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Nasa-Rover "Curiosity":Missionen mit der Esa gestrichen

So begeistert die Raumforscher außerhalb den USA über die gelungene Landung auch sind - bei der Esa in Europa dürfte die Freude über die Curiosity-Mission getrübt sein. Erst im Februar 2012 hat die Nasa die Beteiligung an den zwei mit der Esa geplanten Mars-Missionen gestrichen.

Die Amerikaner und Europäer hatten 2009 beschlossen, 2016 gemeinsam eine Sonde in die Umlaufbahn des Mars zu schicken, 2018 sollten zwei Rover dort landen, Proben sammeln und diese sogar zur Erde zurückschicken. Im Rahmen des sogenannten Aurora-Programms wollten die Europäer im kommenden Jahrzehnt dann Astronauen zum Mond transportieren. In etwa 20 Jahren dann war ein bemannter Flug zum Mars geplant.

Doch Curiosity ist deutlich teurer geworden als zuvor geplant war. Dazu kommt, dass die Kosten für den Bau des James-Webb-Weltraumteleskops - dem Nachfolger des Hubble-Teleskops - erheblich angestiegen sind. Deshalb haben die Amerikaner die gemeinsamen Mars-Missionen mit der Esa abgesagt.

Überhaupt dürften Geldprobleme die Realisierung der bisherigen Mars-Pläne auf beiden Seiten des Atlantiks erschweren. Auf der anderen Seite ist die bemannte Raumfahrt für viele Politiker ein Prestigeobjekt. Zwar erklärte etwa US-Präsident Obama, die Erkundung des Weltraums sei kein Luxus, sondern ein zentraler Teil der Zukunft.

An welche und wessen Zukunft er dabei dachte, hat er allerdings nach der Landung des Curiosity-Rovers klargestellt: Die Landung werde in Zukunft als "Argument des Nationalstolzes" eingesetzt. Der Erfolg erinnere die Amerikaner daran, "dass unsere Vormachtstellung - sowohl im All, als auch auf der Erde - davon abhängt, dass wir klug in Innovation, Technologie und Grundlagenforschung investieren, die schon immer dafür gesorgt haben, dass unsere Wirtschaft von der Welt beneidet wurde." Dazu rechtfertigte Obama bereits 2010 die Pläne der Mars-Flüge damit, dass so Tausende Jobs geschaffen würden.

Kritiker der bemannten Raumfahrt wie der Physiker und Nobelpreisträger Steve Weinberg von der University of Texas in Austin betonen dagegen, dass Astronauten nicht mehr zu leisten imstande sind als die deutlich billigeren unbemannten Sonden. Die bemannte Raumfahrt macht offenbar aber besonders viel Eindruck.

Als der US-Kongress Anfang der neunziger Jahre über die Finanzierung der Internationalen Raumstation ISS und des Teilchenbeschleunigers Superconducting SuperCollider in Texas entscheiden musste, erklärte Weinberg zufolge ein Abgeordneter, er würde zwar verstehen, wie eine Raumstation helfen könne, das Universum zu verstehen. Was der Teilchenbeschleuniger hier zu leisten imstande wäre, könne er dagegen nicht begreifen. Entsprechend fiel die Entscheidung gegen die Unterstützung des SuperCollider und für die ISS aus.

Möglicherweise steckt hinter der Bereitschaft vieler Menschen, Steuergeld in die bemannte Raumfahrt zu stecken, auch einfach die Faszination, die von der Vorstellung ausgeht, fremde Welten zu besuchen und zu kolonisieren. Das ist schließlich spannender und greifbarer als die Arbeit an Heilmitteln für Krebs, die Beendigung der Armut - oder der Erforschung von Möglichkeiten, den Klimawandel zu bremsen.