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Nasa-Rover "Curiosity" auf dem Mars:Wo Roboter besser sind als Menschen

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Kaum hatte das Mars-Gefährt "Curiosity" auf dem Boden des Planeten aufgesetzt, war schon die Rede von den Menschen, die endlich folgen sollten. Es wird Zeit, dass die Menschheit begreift: Die bemannte Raumfahrt befriedigt hauptsächlich emotionale, patriotische oder machtpolitische Ziele. Will man das All ernsthaft erforschen, stören Astro-, Kosmo- oder Taikonauten nur.

Patrick Illinger

Es war eine gewagte Landung, wie sie noch nie ein menschengemachtes Fluggerät hingelegt hat. Bei dem komplizierten Manöver standen zwar keine Menschenleben auf dem Spiel, wohl aber die Reputation der Supermacht USA und ihrer berühmten Behörde, der Nasa. Wäre die Ankunft des Roboterfahrzeugs Curiosity auf dem Mars gescheitert, hätte Amerika seinen Ruf als führende Weltraumnation der Erde gründlich beschädigt. Die US-Raumfahrer stecken seit dem Ende der Spaceshuttle-Ära allemal in einer Selbstfindungskrise.

Doch das technische Meisterstück ist gelungen. Die Nasa - und mit ihr die Menschheit - hat wieder einen Schritt ins All getan. Zwar sind mit Curiosity noch längst keine Menschen auf dem Roten Planeten gelandet, wie es Enthusiasten und Populisten immer wieder fordern. Genau hier liegt aber der große Vorteil jeder Robotermission: Bei der ernsthaften und wissenschaftlichen Erforschung des Alls stören Astro-, Kosmo- oder Taikonauten nur. Nichts, aber auch gar nichts, könnten menschliche Sinnesorgane an einem Ort wie der Mars-Oberfläche erkunden, das nicht ein technisch ausgefeilter Roboter wie Curiosity viel besser könnte.

Insofern relativiert sich der auf den ersten Blick erschreckend hohe Betrag von zweieinhalb Milliarden Dollar, den die nunmehr angelaufene Mars-Mission kostet. Ein bemannter Flug zum selben Ziel dürfte mindestens das Hundertfache verschlingen, und der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn wäre keinen Deut größer. Roboter haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bewiesen, dass sie weiter kommen und mehr Erkenntnisse liefern als jeder im Orbit kreisende Mensch.

Das bedeutendste wissenschaftliche Experiment der internationalen Raumstation befindet sich bezeichnenderweise gar nicht an Bord, sondern ist außen an die orbitalen Wohncontainer angeschraubt. Hier wird kosmische Teilchenstrahlung analysiert. Genau das gleiche Experiment hätte man auch in einen Satelliten packen und ins All schicken können.

Es wird Zeit, dass die Menschheit begreift: Bemannte Raumfahrt befriedigt hauptsächlich emotionale, patriotische oder machtpolitische Ziele. Will man wissenschaftlichen Fragen auf den Grund gehen, am Ende sogar herausfinden, ob es anderswo im All Leben gibt, muss man das mit wissenschaftlichen Methoden tun. Zum Beispiel mit einem Labor, das mit modernster Technik ausgestattet ist.

Ein solches Labor ist nun auf dem Mars gelandet. Auf dessen Erkenntnisse kann die Menschheit in den kommenden Jahren gespannt sein.

Sie werden mehr über unseren Platz im Weltraum, über ferne Lebensräume und den Ursprung des Universums sagen als das ein paar Astronauten könnten, die eine Flagge in den Mars-Boden rammen.

Sicher, eines Tages wird die Menschheit vor der Frage stehen, ob sie zu neuen Lebensräumen im All aufbrechen soll. Doch so weit ist es längst noch nicht. Bevor man versucht, das All zu besiedeln, sollte man herausfinden, wie es sich dort leben lässt.

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Quelle:
SZ vom 07.08.2012
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