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Nanotechnologie:Die Bücher der Welt auf einer Briefmarke

Plenty of room at the bottom

Ein Text von Richard Feynman über Nanotechnologie, gespeichert im Nanoformat (vergrößerte Abbildung)

(Foto: TU Delft/Ottelab)

Noch mehr Daten auf noch weniger Platz: Forscher haben einen Datenspeicher erschaffen, der 500 Mal mehr Speicherdichte hat als die derzeit besten Festplatten.

Von Christian Endt

Physikern der Technischen Universität Delft in den Niederlanden ist ein neuer Rekord beim Bau platzsparender Datenspeicher gelungen: Ihr Prototyp benötigt für die kleinste Informationseinheit von einem Bit nur ein einziges Atom. Auf diese Art lassen sich auf einem Quadratzentimeter 78 Terabit unterbringen. Die Speicherdichte ist damit etwa 500 mal höher als bei den kompaktesten Festplatten, die derzeit auf dem Markt sind.

"Bei dieser Datendichte würden theoretisch alle jemals geschriebenen Bücher auf eine einzige Briefmarke passen", sagt Sander Otte, Hauptautor der nun in der Fachzeitschrift Nature Nanoscience erschienenen Studie.

Der von den Forschern konstruierte Datenträger besteht aus einer flachen Kupferoberfläche, auf der Chloratome in einem regelmäßigen, quadratischen Gitter angeordnet sind. Einige Plätze des Gitters sind dabei unbesetzt. In der Position dieser Leerstellen ist die Information gespeichert: Befindet sich das Chloratom oben und die Lücke darunter, steht dies für eine Eins, andersherum ist es eine Null. Mit dem Tastkopf eines Rastertunnelmikroskops lassen sich die Atome zwischen den beiden Positionen hin- und herschieben.

Das Team aus Delft ist nicht das erste, dem der Bau eines ein-atomigen Speichers gelingt. Allerdings waren bisherige Ansätze auf einzelne Atome beschränkt, umständlich zu nutzen und nur bei extrem niedrigen Temperaturen unterhalb von -260 Grad Celsius stabil. Mit ihrer Kupfer-Chlor-Konstruktion schufen die niederländischen Nanowissenschaftler nun einen Datenträger, der insgesamt ein Kilobyte speichern kann, also 8000 Bits, und noch bei -196 °C funktioniert - für Physiker fast schon lauwarm. Von einer Anwendbarkeit außerhalb des Labors sei man trotzdem noch weit entfernt.

© SZ vom 19.07.2016
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