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Nanopartikel:Sonnencreme belastet Meere

Eincremen

Bis zu vier Kilogramm Titandioxid aus Sonnencreme könnten von einem typischen Badestrand täglich ins Meer gelangen

(Foto: online.sdereise)

Gift aus der Sonnencreme: Was den Menschen schützt, schadet Mikroorganismen wie Plankton im Meer. Nanopartikel zum UV-Schutz können sich im Wasser lösen und Ökosysteme belasten. Das Problem könnte in Zukunft größer werden.

Ein Tag am Strand oder gleich zwei Wochen Urlaub am Meer - ohne Sonnenschutz wäre das für Mitteleuropäer undenkbar. Gehen die Touristen jedoch eingecremt ins Wasser, könnte das negative Auswirkungen auf die Umwelt haben, berichten spanische Wissenschaftler in einer Studie. Besonders Sonnencremes neuerer Generation, die Nanopartikel enthalten, beeinträchtigten das Wachstum von Mikroorganismen wie Phytoplankton im Meer, schreiben die Forscher im Fachblatt Environmental Science & Technology.

Die Nanopartikel Titandioxid und Zinkoxid blocken in Sonnencremes schädliche UV-Strahlen von der Haut ab. Zugleich kann das Sonnenlicht mithilfe der Stoffe aber aus Wasser das hochreaktive und für Kleinstlebewesen schädliche Wasserstoffperoxid erzeugen. Damit das nicht auf dem Körper passiert, sind die Nanopartikel mit Silikaten ummantelt. Im Wasser löst sich diese Schutzhülle schnell auf, die winzigen Partikel gelangen ins Meer.

Massentourismus auf Mallorca hat ökologische Auswirkungen

Um festzustellen, wie groß die Wirkung auf die Umwelt ist, nahm das Team um den Umweltchemiker Antonio Tovar-Sánchez von der Universität Río San Pedro Proben auf Mallorca. Am Strand von Palmira baden an einem typischen Sommertag bis zu 10 000 Touristen. Besonders um die Mittagszeit fanden die Forscher stark erhöhte Konzentrationen von Wasserstoffperoxid an verschiedenen Stellen vor der Küste.

Zudem belegten sie im Laborversuch, dass die Inhaltsstoffe der Cremes tatsächlich als sogenannte Photokatalysatoren Wasserstoffperoxid erzeugen. "Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Sonnencreme die Produktion von Wasserstoffperoxid im Meerwasser ankurbelt", schreiben die Forscher. Touristen an einem typischen Mittelmeerstrand wie Palmira könnten nach Ansicht der Umweltchemiker am Tag bis zu vier Kilogramm Titandioxid ins Meer befördern, wenn ein Viertel der aufgetragenen Creme abgewaschen wird.

Die Menge klingt zunächst nicht nach viel, doch das Mittelmeer ist mit rund 200 Millionen Touristenankünften pro Jahr eines der weltweit beliebtesten Reiseziele. Jährlich kommen derzeit rund drei Millionen hinzu. Die Wissenschaftler fordern daher, solche ökologischen Auswirkungen des Massentourismus verstärkt zu untersuchen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Nanopartikel würden selbst zu Wasserstoffperoxid weiterreagieren. Richtig ist, dass Sie selbst nicht an der Reaktion beteiligt sind; sie beschleunigen diese aber als Katalysatoren.

© SZ vom 25.08.2014/kco
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