Weg von der Flasche

Bizarr: Da geht die Mehrheit der Deutschen in den Supermarkt, kauft mehr oder weniger teures Mineralwasser und schleppt die Kästen nach Hause, ein paar Tage später wieder zurück. Dabei gäbe es hervorragendes Trinkwasser - nahezu kostenlos, gesundheitlich bestens kontrolliert - einfach aus der heimischen Leitung, lediglich die Bläschen fehlen. Auch die Ökobilanz von Leitungswasser stimmt. Das Schweizer Forschungsinstitut ESU-Services bewertete mit sogenannten Erdöl-Äquivalenten den Energieverbrauch unterschiedlicher Darreichungsformen von Mineralwasser. Die Werte lagen zwischen 100 Punkten (PET-Mehrwegflaschen, kurze Transportwege) und 300 Punkten (Glas-Mehrwegflaschen, lange Transportwege). Leitungswasser lag bei 0,4 Punkten. Selten finden sich derart klare Ökoverhältnisse. Nur wer weiter an der Flasche hängt, muss sich den Kopf über die Details zerbrechen: PET-Flaschen brauchen weniger Transportenergie, Glasflaschen vertragen mehr Umläufe, wichtig sind die Transportwege: "Fiji Water" von der Pazifikinsel Viti Levu ist vermutlich ökologisch nicht so super. Selbst wer auf das Prickeln der Kohlensäure nicht verzichten mag, kann auf Leitungswasser zurückgreifen. Bei Einsatz eines Sprudlers bleibt die Umweltbelastung immer noch achtmal kleiner als beim gekauften Mineralwasser, allerdings sollte das Gerät mindestens fünf Jahre lang eingesetzt werden. Von Christian Weber

Bild: imago/dpa/Bearbeitung:SZ 10. September 2018, 14:002018-09-10 14:00:40 © sz