Auf dem Holzweg

Ein toter Baum ist nur in den seltensten Fällen ein guter Baum. Der Schaden lässt sich aber begrenzen, wenn man ihn zum Häuserbauen verwendet. Wenigstens der im Holz gespeicherte Kohlenstoff landet dann nicht sofort wieder in der Atmosphäre. Sind Holzhäuser deswegen die besseren Häuser? Leider nein. Verglichen mit ihren Konkurrenten haben sie zwar einen Startvorteil, langfristig fällt im Holz gebundener Kohlenstoff aber kaum ins Gewicht. Auf die Nutzungsphase kommt es an. Und da liegen die Gebäude aus Ziegel, Kalksandstein, Poren- oder Leichtbeton vorne: Sie können Wärme besser speichern, Temperaturschwankungen fallen geringer aus. Folglich muss weniger geheizt werden. Das Beratungsinstitut LCEE hat den CO₂-Verbrauch für die gängigen Häusertypen im vergangenen Jahr durchgerechnet. Mit einem überraschenden Ergebnis: Demnach verbraucht ein Mehrfamilienhaus aus Mauerwerk in fünf Jahrzehnten 16 Tonnen CO₂ weniger als die Variante aus Holz. Der Unterschied wird noch größer, je weiter man in die Zukunft blickt. Bedenkt man außerdem, dass kein Haus für die Ewigkeit gebaut ist, dann ist der Startbonus sowieso wieder dahin. Ein Holzhaus abreißen kann mitunter bedeuten, dass zusätzlicher Kohlenstoff freigesetzt wird. Kohlenstoff, den Bäume theoretisch immer noch speichern könnten. Wenn man sie nicht zuvor abgeholzt hätte. Von Christian Gschwendtner

Bild: imago/dpa/Bearbeitung:SZ 10. September 2018, 14:002018-09-10 14:00:40 © sz