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Nach Absturz einer Rakete:Russland setzt "Sojus"-Starts aus

Zwangspause für das einzige Transportmittel zur Internationalen Raumstation: Nach dem Absturz einer unbemannten Transporter-Rakete auf dem Weg zur ISS hat Russland den Einsatz der Raketen gestoppt - und bringt so die Raumfahrt in Bedrängnis.

Nach dem ersten Fehlstart einer Sojus-Trägerrakete seit mehr als 30 Jahren und dem Absturz eines Versorgungsraumschiffs hat Russland den Einsatz des Transportmittels gestoppt.

Internationale Raumstation ISS

3,5 Tonnen Nachschub für die Internationale Raumstation ISS (im Bild) stürzten zusammen mit der Sojus-Transporterrakete auf die Erde.

(Foto: ddp)

Bis zur Klärung der Pannenursache würden die auch von den USA und der EU genutzten Raketen erst einmal ausgesetzt, berichtete die Agentur Interfax unter Berufung auf russische Raumfahrtkreise.

Die Sojus-Raketen sind nach dem Ende der amerikanischen Space Shuttles die einzigen Transportmittel zur Versorgung der Internationalen Raumstation ISS.

Am Vorabend war der unbemannte Frachter vom Typ Progress M-12M mit fast drei Tonnen Versorgungsgütern an Bord auf dem Weg zur ISS im Altai-Gebirge im menschenleeren ostrussischen Grenzgebiet zu Kasachstan abgestürzt. Grund war nach ersten Erkenntnissen eine fehlerhafte Zündung der dritten Raketenstufe an der Sojus. Nach Angaben der russische Raumfahrtagentur Roskosmos war kurz nach dem Start ein Druckabfall im Treibstofftank der Sojus-U-Rakete festgestellt worden, kurz darauf brach der Kontakt zu ihr ab.

Russland verschob einen für diesen Freitag geplanten Start eines Satelliten für sein Navigationssystem Glonass auf einen späteren Zeitpunkt. Notfalls könne auch die für den 8. September geplante Rückkehr von drei Raumfahrern von der ISS um bis zu 50 Tage verschoben werden, berichtete Interfax unter Berufung auf die US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Unklar sei auch, ob es beim geplanten Start der neuen ISS-Besatzung mit drei Raumfahrern am 22. September vom Weltraumbahnhof Baikonur bleibt. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos teilte in Moskau mit, dass sie alles tun werde, um ihren internationalen Verpflichtungen für den ISS-Betrieb nachzukommen.

Vertreter der russischen und der US-Raumfahrtbehörde betonten nach dem Absturz vom Mittwoch, an Bord der ISS seien Lebensmittelvorräte für mindestens zwei Monate.

"Europa ist abhängig von der Sojus-Technik"

Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, Johann-Dietrich Wörner, hatte nach der Panne vor Folgen auch für den Westen gewarnt. "Wir sind derzeit in Deutschland und Europa äußerst abhängig von der bisher zuverlässigen Sojus-Technik", sagte Wörner. Es werde eine Zeit dauern, bis die Unglücksursache geklärt sei. Bis dahin dürfe auch kein Raumfahrer mehr mit der Sojus-Technik transportiert werden.

Am 20. Oktober sollten nach bisherigen Plänen die ersten funktionstüchtigen Satelliten für das Navigationssystem Galileo mit Sojus-Raketen vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana starten.

Russland musste zuletzt immer wieder über Pannen berichten. Zu einem besonders schweren Zwischenfall kam es im Dezember 2010, als eine Trägerrakete mit drei Satelliten, die für das russische Navigationssystem Glonass vorgesehen waren, nach dem Start in den Pazifik stürzte.

© dpa/AFP/dapd/kat

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