bedeckt München 18°

Astronomie:Mini-Mond auf Erdumlaufbahn gesichtet

Mini-Mond

Der Mini-Mond hat etwa die Größe eines VW-Golf.

(Foto: The international Gemini Observatory/NSF’s National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory/AURA)
  • Nasa-Astronomen haben ein winziges Objekt beobachtet, das sich auf einer Erdumlaufbahn befindet.
  • Der Mini-Mond soll etwa so groß wie ein Kleinwagen sein.
  • Doch dessen Besuch neigt sich schon wieder dem Ende zu.

Ein einziger Mond, das war schon immer recht armselig. Der Mars hat zwei, Neptun 14, Jupiter und Saturn je rund 80. Im Grunde wurde es höchste Zeit, dass die Erde da nachlegt. Und offenbar hat sie es getan: Am frühen Morgen des 15. Februar haben die Nasa-Astronomen Kacper Wierzchos und Teddy Pruyne am Mount Lemmon Observatorium in Arizona ein winziges Objekt beobachtet, das sich auf einer Erdumlaufbahn befindet.

Es ist ein erstaunlicher Begleiter, den sich die Erde da geangelt hat. So groß wie ein Auto, hieß es, oder wie ein Sofa. Oder ein großer Schrank? 1,9 bis 3,5 Meter geschätzter mittlerer Durchmesser lässt Raum für Interpretationen, aber es deutet etwa auf VW-Golf-Größe hin. Jedenfalls so klein, dass es mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Möglich wurde der Zufallsfund nur, weil Programme wie die Catalina Sky Survey, für die Wierzchos und Pruyne arbeiten, mit immer besseren Teleskopen den Himmel nach womöglich gefährlichen Asteroiden absuchen.

Das neue Objekt namens 2020 CD3 stellt allerdings keine ernsthafte Bedrohung dar, selbst wenn es dereinst auf Kollisionskurs einschwenken sollte, dafür ist es einfach zu klein. "Viel relevanter sind Objekte, die mit mehr als zehn Kilometern pro Sekunde auf uns zukommen, und größer als 50 Meter Durchmesser sind", sagt Andreas Nathues vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. "Solche Körper können großen Schaden anrichten, wenn sie auf die Erde treffen."

Nur wegen seiner Winzigkeit blieb der Mini-Mond bislang verborgen

2020 CD3 hingegen dürfte sehr langsam auf die Erde zugedriftet sein, sonst hätte er kaum von ihrer Gravitation eingefangen werden können - schnellere Asteroiden werden höchstens abgelenkt. Dass auch mal einer in einer Erdumlaufbahn landet, ist aber für Nathues nicht besonders überraschend: Das werde immer wieder mal passieren, sagt er, schließlich wimmelt es in der Umgebung der Erde von solchen Asteroidenbrocken. Meist sind es Bruchstücke größerer Körper aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

Es ist aber erst die zweite derartige Entdeckung, nach 2006 RH120 vor 14 Jahren, der die Erdumlaufbahn längst wieder verlassen hat. Aus der Bahn des neuen Objekts schließen die Entdecker, dass es die Erde bereits seit mindestens einem, eher aber schon seit drei Jahren begleitet, nur wegen seiner Winzigkeit blieb der Mini-Mond bislang verborgen. Allerdings ist er wesentlich ungestümer als der große Mond. Simulationen zeigen, dass 2020 CD3 nicht annähernd auf einer Kreisbahn unterwegs ist, sondern in wilden, unregelmäßigen Schlenkern um die Erde eilt, mal etwa in Mond-Entfernung, mal um ein Vielfaches weiter entfernt. Statt vier Wochen wie das größere Exemplar braucht er für eine Runde um die Erde etwa vier Monate.

Der Besuch von 2020 CD3 neigt sich jedoch schon dem Ende zu. Schuld ist der große Mond, dessen Einfluss kaum eine stabile Bahn für einen zweiten Erdtrabanten zulässt. In wenigen Monaten werde 2020 CD3 wohl die Erde verlassen, schrieb Kacper Wierzchos auf Twitter. Dann dürfte der Weltraumgolf wieder auf eine Bahn um die Sonne einschwenken. Ein Wiedersehen wird es wohl in etwa 25 Jahren geben, wenn der Mini-Mond zur Erde zurückkehrt.

© SZ vom 03.03.2020/hmw
Preview_Wissen_Asteroiden

SZ Plus
Raumfahrt
:Da kommt was auf uns zu

Sonnenstürme, Asteroiden, Weltraumschrott - der Erde drohen Gefahren aus dem All. Europas Raumfahrt will nun endlich etwas dagegen unternehmen. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit.

Text von Alexander Stirn, Illustration von Stefan Dimitrov

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite