bedeckt München
vgwortpixel

Mond-Mission:Apollo aus dem Wasser

Eine Saturn-V-Rakete katapultierte die US-Astronauten 1969 zum Mond, danach fielen ihre Triebwerke in den Atlantik. Nun will Amazon-Gründer Jeff Bezos sie aus einer Tiefe von knapp 4300 Metern an die Oberfläche zurückholen.

Mehr als vier Jahrzehnte lagen sie auf dem Meeresgrund. Jetzt sollen die historischen Triebwerke, die einst die Crew von Apollo 11 zum Mond katapultiert haben, wieder an die Oberfläche gebracht werden. Amazon-Gründer Jeff Bezos behauptet, die Raketenmotoren etwa 700 Kilometer von der Küste Floridas entfernt gefunden zu haben - in einer Tiefe von knapp 4300 Metern.

Going Up

Am 16. Juli 1969 startete die Saturn-V-Rakete mit den Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins an Bord zur Apollo-11-Mission zum Mond. Die Triebwerke fielen ins Meer. Nun will Jeff Bezos von Amazon.com sie heben.

(Foto: Nasa/AP)

"Wir prüfen derzeit, wie wir einige oder mehrere davon heraufholen können", schreibt der Raumfahrtenthusiast in seinem Blog. Unklar ist allerdings, in welchem Zustand sich die Triebwerke befinden, die im Juli 1969 neun Minuten nach dem Start zusammen mit der ersten Stufe der Saturn-V-Rakete ins Meer gefallen sind.

Die Sonaraufnahmen, auf denen Bezos die Trümmer ausgemacht haben will, geben darüber keine Auskunft. "Die Triebwerke sind mit hoher Geschwindigkeit auf dem Ozean aufgeschlagen und liegen seit mehr als 40 Jahren im Salzwasser", schreibt Bezos. "Andererseits bestehen sie aus robustem Material - wir müssen einfach abwarten."

Die fünf F-1-Triebwerke, die gemeinsam die erste Stufe der amerikanischen Mondrakete beschleunigt haben, gehören zu den stärksten mit flüssigem Treibstoff betriebenen Raketenmotoren, die jemals gebaut wurden. Ein jedes ist neun Tonnen schwer und fünfeinhalb Meter hoch. Zusammen erzeugte das Quintett beim Start eine Leistung von umgerechnet etwa 160 Millionen PS.

Wie die gewaltigen Triebwerke geborgen werden sollen und warum er sich so sicher ist, Apollo 11 gefunden zu haben, verrät Bezos in seiner Mitteilung nicht. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat zwar für jede ihrer Mondmissionen, den Aufschlagspunkt der ersten Stufe berechnet. Die Orte liegen allerdings nur wenige Kilometer auseinander, die Angaben sind fehlerbehaftet. Allein mit Sonardaten dürfte es zudem nicht möglich sein, die entdeckten Trümmer einer einzelnen Apollo-Mission zuzuordnen.

Sollte Jeff Bezos, der gerade an einem eigenen Raketenprogramm für Touristenflüge arbeitet, erfolgreich sein, will er die Trümmer der Nasa übergeben - die Raumfahrtbehörde ist der rechtmäßige Eigentümer sämtlicher Apollo-Fundstücke. Geht es nach Bezos, sollen die geschichtsträchtigen Triebwerke anschließend in einem Museum ausgestellt werden.

© SZ vom 30.03.2012/mcs
Zur SZ-Startseite