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Molekularbiologie:Die Gentech-Echse

Eines der ersten gentechnisch veränderten Reptilien: Albino-Eidechse

(Foto: Doug Menke/AFP)

Eigentlich sind Eidechsen bräunlich-grün. Es sei denn, Molekularbiologen verändern im Labor die Erbanlagen der Reptilien.

Normalerweise sind sie bräunlich-schwarz gefärbt und weisen auf dem Rücken gelbweiße Flecken auf. Dieses Weibchen der Eidechsenart Bahamaanolis hat hingegen alle seine Farbpigmente verloren - und zählt zu den ersten gentechnisch-veränderten Reptilien überhaupt. Das schreibt ein Forscherteam um den Genetiker Douglas Menke von der University of Georgia im Fachjournal Cell Reports.

Demnach sei die Albino-Echse das Ergebnis eines Experiments mit der Genschere Crispr-Cas9, ein molekularbiologisches Verfahren, das seit einigen Jahren aus der Gentechnik nicht mehr wegzudenken ist. Durch Crispr können bestimmte DNA-Fragmente oder einzelne Gene gezielt aus der Erbsubstanz herausgeschnitten werden, weshalb die Schere in der Pflanzenforschung ebenso weit verbreitet ist wie in Tiermodellen - mit einer Ausnahme: Reptilien. Da deren Eier äußerst zerbrechlich sind, führte das bisherige Crispr-Verfahren nicht zum Erfolg, weshalb Menke und seine Kollegen es etwas modifizierten. Statt wie sonst üblich bei befruchteten Eizellen, versuchten die Wissenschaftler, die Genschere in unreife Eizellen weiblicher Eidechsen einzuschleusen - mit Erfolg. Mittels Crispr manipulierten die Forscher das Enzym Tyrosinase, das für die Produktion von Farbpigmenten, sogenannten Melaninen, eine essenzielle Rolle spielt. In den Nachkommen war die Tyrosinase ausgeschaltet - und die Tiere waren Albinos.

© SZ vom 30.08.2019
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