Mögliche Therapie für Demenzkranke:Junges Blut gegen das Altern

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Ewige Jugend - Wissenschaftler sind auf der Suche nach einem Mittel gegen körperlichen und geistigen Verfall einen Schritt weiter gekommen. Bei Mäusen konnten sie den regenerierenden Effekt von jungem Blut bereits nachweisen. Die Erkenntnisse könnten Alzheimer-Patienten helfen.

Blut als Geheimwaffe für ewige Jugend und Schönheit - das erinnert an gruselige Dracula-Legenden oder auch an nicht weniger schaurige Beauty-Trends unter den Hollywood-Stars. Vergangenes Jahr sorgte Promi Kim Kardashian mit einem blutverschmierten Instagram-Bild für Aufsehen und machte damit das "Vampire Facelift" bekannt.

Dabei handelt es sich um eine Schönheitsbehandlung, bei der aus Eigenblut gewonnenes Plasma, das reich an Blutplättchen ist, in die Haut gespritzt wird, was angeblich Fältchen mildern und die Haut straffen soll.

Auch drei neue Studien feiern Blut als Waffe gegen den Alterungsprozess - allerdings nicht als abstruse Eigenblut-Behandlung, sondern auf wissenschaftlich fundierter Basis. Erfolgreich haben verschiedene Forscherteams das Blut von Jüngeren eingesetzt, um Hirn und Muskeln wieder auf Vordermann zu bringen - bislang allerdings nur bei Mäusen. Doch sollten sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, dann sind die Wissenschaftler womöglich einer Therapie gegen Demenzkrankheiten wie Alzheimer auf der Spur - und damit dem heiß ersehnten Mittel, das den körperlichen und geistigen Verfall des Alterns stoppen und gar rückgängig machen könnte.

Die Biologen Tony Wyss-Coray von der Universität Stanford und Saul Villeda von der University of California in San Francisco nutzen in ihrer Studie, die am Sonntag im Magazin Nature Medicine veröffentlicht wurde, zwei Möglichkeiten, den alten Mäusen frisches Blut von jüngeren Artgenossen zuzuführen. Entweder injizierten die Forscher den etwa anderthalbjährigen Tieren, die am Ende ihres Lebens standen, Blutplasma von etwa drei Monate alten Mäusen, die vom Alter her damit jungen Erwachsenen vergleichbar sind. Als zweite Möglichkeit verbanden die Wissenschaftler chirurgisch die Kreislaufsysteme der Mäuse - dieses Verfahren wird "Parabiosis" genannt.

Junges Blut könnte den Altersverschleiß umkehren

Der Effekt der Jungblut-Behandlung ist beeindruckend: Sowohl auf struktureller als auch auf molekularer Ebene ließen sich Unterschiede in den Gehirnen der behandelten Mäuse zu nichtbehandelten Artgenossen erkennen, berichten die Forscher. Die Neuronen waren besser vernetzt, zudem waren mehr solcher Moleküle zu finden, die vermehrt auftreten, wenn Lernprozesse stattfinden.

"Wir konnten zeigen, dass mindestens einige Verfallserscheinungen des Gehirns wieder rückgängig gemacht werden können", sagt Villeda zu den Erkenntnissen. Junges Blut könne den Altersverschleiß am Hippocampus umkehren, schreiben die Wissenschaftler. Speziell diese Hirnregion spielt eine wichtige Rolle für Lernen und Gedächtnis. Wo liegen noch gleich die Schlüssel, was gab es zum Mittagessen, wie wird ein neues technisches Gerät bedient - bei der Beantwortung solcher Fragen hilft dem Menschen der Hippocampus. Und speziell diese Verknüpfungen im Gehirn werden bei Demenzkranken abgebaut.

Auch im Labor des Neurowissenschaftlers Lee Rubin an der Harvard Universität haben Forscher den Blutkreislauf junger und alter Mäuse gekoppelt. Sie beschreiben im Fachjournal Science, dass die älteren Mäuse in der Hirnregion, in der der Geruchssinn angelegt ist, neue Neuronenverbindungen knüpften und somit wieder genauso feine Nuancen erschnuppern konnten wie jüngere Artgenossen. Und auch Rubins Team kommt zu dem Schluss: "Unabhängig vom Alter des Gehirns ist junges Blut in der Lage, das gealterte Gehirn zu verjüngen."

GDF11 heißt die Jungbrunnen-Zutat im Blut

Doch welcher Stoff im Blut entfaltet diese Jungbrunnen-Wirkung? Frühere Forschung hat bereits ein spezielles Protein im Verdacht, den Alterungsprozess zu stoppen. Growth Differentiation Factor 11 (GDF11) heißt dieses, es ist sowohl im Blut von Mäusen als auch von Menschen enthalten.

Eine dritte Studie, die ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von Science publiziert wurde, hat gezielt die Wirkung von GDF11 untersucht. Die Harvard-Wissenschaftlerin Amy Wagers hat festgestellt, dass dieser Stoff die Durchblutung verbessert und die Fitness von älteren Mäusen erhöht.

Tests an Mensch in den nächsten drei bis fünf Jahren

Die spannende Frage ist nun, ob und in welcher Weise es gelingt, die Forschungsergebnisse auf den Menschen zu übertragen. Rubin und Wagers wollen nun innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre den Effekt von GDF11 an Menschen untersuchen.

Wyss-Coray von der Stanford-Universität hat sogar bereits ein Unternehmen gegründet, das sich den therapeutischen Möglichkeiten von jungem Blut beim Menschen widmet. "Alkahest" ist der Name - so wurde im Mittelalter jene sagenhafte Substanz der Alchimisten genannt, die Unsterblichkeit versprach.

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