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Meteorologie:Schlechte Aussichten bis 2016

Im östlichen Pazifik ist das Wasser zurzeit deutlich wärmer als normal.

(Foto: NOAA)

Missernten und Naturkatastrophen, Dürre in Asien und Starkregen an Amerikas Küsten: Das laufende El-Niño-Ereignis könnte die Dauer und die Extreme von 1997/98 übertreffen.

Das Christuskind kann sehr launenhaft sein, die Menschen an der Pazifikküste Amerikas wissen das schon lange. Ist es schlechter Stimmung, überfallen um Weihnachten herum heftige Regenfälle die Landschaften zwischen Chile im Süden und Kalifornien im Norden und bringen Überschwemmungen. Für die Fischer sind ihre Ausfahrten nicht nur gefährlich, sondern auch wenig ertragreich: Das Wasser des Ost-Pazifik, sonst durch den Humboldtstrom gekühlt, ist zu warm und zu nährstoffarm für das Meeresgetier. Währenddessen wird es auf der anderen Seite des Ozeans trocken: Länder von Japan über Indonesien bis Australien erleben Dürren und Waldbrände.

Auch dieses Jahr könnte es wieder so kommen, und zwar mit Macht: Größer als 90 Prozent sei die Chance, dass die großflächige Umstellung des Wetters im Pazifik bis in den nördlichen Winter andauert, bekräftigt die amerikanische Atmosphären- und Ozeanbehörde Noaa frühere Prognosen; mit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit dauere es sogar bis zum Frühjahr 2016. El Niño nennen Meteorologen dieses Phänomen nach dem spanischen Kosenamen für das Christkind. "Wir erwarten, dass dieses El-Niño-Ereignis zu den stärksten in den Aufzeichnungen gehören wird", sagt Mike Halpert von Vorhersagezentrum der Noaa . Andere Experten bestätigen das: "Wir rechnen mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass El Niño in diesem Jahr stärker wird als 1997/98", so Hilda Carr vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen im englischen Reading.

Dieser Vergleich ist bedeutsam: 1997/98 gab es 23 000 Todesfälle durch Naturkatastrophen, 33 Milliarden Dollar Schaden weltweit und massive Ernteausfälle. Die Dürre in Asien, verstärkt durch eine regionale Finanzkrise, stürzte Millionen Menschen ins Elend. Damals kam der Fachbegriff El Niño zum ersten Mal in die Nachrichten. Zudem wurde 1998 zum Klimarekordjahr: Noch nie zuvor ist die globale Durchschnittstemperatur so weit über die der Vorjahre und die langfristige Trendlinie gesprungen. Das gilt bis heute, auch wenn der absolute Rekord inzwischen mehrmals überboten wurde, zuletzt 2014.

Oft werden neue Höchstmarken gerade in El-Niño-Jahren erzielt.

Das vergangene Jahr war aber gerade keines. El Niño und sein Gegenstück La Niña gehören zu den kompliziertesten und wichtigsten Faktoren des globalen Klimas. Der Pazifik erweist sich dabei als Wetterküche gewaltigen Ausmaßes. Dort schieben normalerweise die Passatwinde, die von Ost nach West und auf den Äquator zuwehen, warmes Wasser nach Westen. Zwischen Datumsgrenze und Asien wird darum die Meeresoberfläche sehr warm, es verdunstet viel Wasser, Wolken bilden sich und regnen sich ab, der Luftdruck sinkt. Im Osten des Pazifik wird nährstoffreiches, kaltes Wasser aus der Tiefe nach oben gezogen. All das stabilisiert die Zustände.

Steigern sich diese Faktoren über das Normalmaß, sprechen Meteorologen von einer La Niña, die Überschwemmungen in Asien und empfindliche Kälte in den Amerikas auslöst. Manchmal jedoch wird der Passat im Pazifik plötzlich unterbrochen, dann weht der Wind kräftig nach Osten. Das warme Wasser wird vor die Küste Südamerikas geschoben, die Wolken wandern mit, der Luftdruck passt sich an. Auch diese Verhältnisse stabilisieren sich zunächst selbst, der dann El Niño genannte Zustand kann sechs oder neun Monate dauern. Dass er, wie womöglich dieses Mal, sogar zwölf Monate anhält, ist allerdings ungewöhnlich. Auch das spricht dafür, dass es ein extremes Ereignis wird.

Auswirkung von El Niño: Dürre am Carraizo Reservoir in Puerto Rico

(Foto: AP)

Forscher haben inzwischen erkannt, dass dann andere Regeln gelten als bei normalen El Niños wie zuletzt 2009/10, schreibt ein Wissenschaftlerteam um Wenju Cai vom australischen Forschungszentrum Csiro in einem Überblicksartikel ( Nature Climate Change, online). Das macht die Vorhersage sehr schwierig. Schon im Sommer 2014 waren schließlich Prognosen zirkuliert, ein kräftiger El Niño sei für den kommenden Herbst und Winter zu erwarten, berichten andere Forscher im gleichen Blatt. Doch dann ging ihm erst sozusagen die Luft aus, bevor er genauso unerwartet neue Reserven mobilisierte. Neben den Vorhersagen für kommende Jahreszeiten, die Anrainer des Pazifik warnen können, ist aber auch der Ausblick in die weitere Zukunft wichtig. Nach momentanem Wissen, so berichten Cai und Kollegen, dürfte der Klimawandel vor allem die extremen Ausprägungen von El Niño und La Niña fördern. So extrem wie 1997/98 könnte es demnach in Zukunft statt alle 28 ungefähr alle 16 Jahre werden.