Süddeutsche Zeitung

Meteorologie:Metropolen ziehen Hitzegewitter an

  • Spontane Hitzegewitter können in Metropolen in feuchtwarmem Klima offenbar besonders gut entstehen.
  • Meteorologen vermuten, das Phänomen habe mit Smog und der dichten Bebauung von Großstädten zu tun.

Städte produzieren offenbar neben Dreck, Staus und Lärm auch ihre eigenen Sommergewitter. Das zeigt eine Analyse von Radarbildern, die von 1997 bis 2013 über dem Norden des US-Bundesstaats Georgia aufgenommen wurden (Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society, 2015).

Das Team um Alex Haberlie von der Northern Illinois University hat mit einer speziellen Software 26 000 Momentaufnahmen herausgefiltert, die auf die Geburt eines spontanen Hitzegewitters hindeuten. Die Forscher suchten nach sogenannten "isolierten konvektiven Anstoß-Ereignissen": Das sind Wirbel in den Luftströmungen, die solche Gewitter auslösen können, auch wenn nicht immer tatsächlich ein Gewitter daraus entsteht.

In der Stadt blitzte es bis spät in die Nacht

In der großen Datenmenge fanden die Forscher deutliche Auffälligkeiten: Über dem Großraum Atlanta, wo gut fünf Millionen Menschen leben, gab es fünf Prozent mehr potenzielle Spontangewitter-Auslöser als über einer vergleichbaren Fläche auf dem Land. Etwa jedes zwanzigste Sommergewitter in der Stadt könnte damit - statistisch gesehen - hausgemacht sein. Zudem gab es über der Stadt anders als auf dem Land unter der Woche, besonders dienstags und mittwochs, bis zu 30 Prozent mehr Gewitterlagen als am Wochenende. Und während die ländlichen Gewitter-Keime jeweils vor allem in den frühen Abendstunden auftauchten, gab es in der Stadt bis spät in der Nacht Auslöser.

Frühere Studien hatten bereits vermuten lassen, dass Großstädte gerade in feucht-warmen Gebieten wie Georgia das lokale Klima prägen und etwa Starkregen wahrscheinlicher machen. Welche Mechanismen dahinterstecken, ist laut den Forschern noch nicht ganz klar: Vermutlich trägt die drückende Hitze dazu bei, welche die dichte Bebauung Stadtbewohnern im Sommer beschert, sowie die Tatsache, dass Gebäude den Wind stören.

Die neuen Daten deuten laut den Forschern nun darauf hin, dass außerdem auch der Smog einen Einfluss hat: Das könnte jedenfalls erklären, warum die Gewitterchancen an Arbeitstagen höher sind, wenn mehr Pendler unterwegs sind.

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Quelle:
SZ vom 20.02.2015
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