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Geologie:Der Tag danach

Bohrung in Asteroiden-Krater

Die Bohrplattform Liftboat Myrtle, von der Forscher in den Gipfelring des Chicxulub-Einschlagskraters bohrten.

(Foto: dpa)

Ein Meteoriteneinschlag hat sehr wahrscheinlich das Leben der Dinosaurier beendet. Wissenschaftler haben nun den Proben aus dem Krater analysiert - um die ersten Stunden nach der Katastrophe zu rekonstruieren.

Vor rund 66 Millionen Jahren traf ein Asteroid auf die Erde, und in der Wissenschaft herrscht weitgehend Konsens, dass damit das Schicksal der Dinosaurier besiegelt war. Ein Forscherteam um Sean Gulick von der University of Texas hat durch Analyse einer 130 Meter dicken Gesteinsschicht des Einschlagskraters nun rekonstruiert, was in den ersten Stunden nach dem Aufprall mutmaßlich auf der Welt geschah. Ihre Ergebnisse haben sie im Wissenschaftsjournal PNAS veröffentlicht.

Die Wissenschaftler werteten einen Bohrkern des mehr als zehn Kilometer breiten Chicxulub-Kraters vor der Küste der mexikanischen Halbinsel Yucatan aus, wo der Meteorit mit einer Kraft von schätzungsweise zehn Milliarden Atombomben eingeschlagen sein soll. Dieser Kern dokumentiere "Geschehnisse direkt aus Ground Zero", wird Gulick in einer Mitteilung zitiert. Den geologischen Daten zufolge soll es unmittelbar nach dem Einschlag im Umkreis von tausend Kilometern zu einem Feuerinferno gekommen sein. Die Brände dauerten allerdings nicht lange, nur eine Stunde später sollen gewaltige Tsunamis die Erde geflutet haben.

Dass das Kratergestein, anders als die unmittelbare Umgebung, kaum Schwefel enthält, erklären die Forscher damit, dass sowohl der Meteorit als auch der Untergrund durch den Aufprall verdampfte und das Gestein in die Atmosphäre geschleudert wurde. Die 325 Milliarden Tonnen Schwefel, die dabei mindestens freigesetzt worden sein sollen, sorgten anschließend für eine Abkühlung des Weltklimas. Dieser "Impaktwinter" hat denjenigen Dinosauriern, die die ersten Stunden nach dem Einschlag überlebten, den Rest gegeben, vermuten die Forscher. "Der eigentliche Killer muss die Atmosphäre gewesen sein", schreibt Studienautor Gulick. Dies sei die plausibelste Erklärung für ein globales Massenaussterben - insgesamt löschte der Asteroid schätzungsweise drei Viertel aller Tier- und Pflanzenarten aus.