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Meeresbiologie:Knochenmikrofon der Bartenwale

Buckelwal
(Foto: Jose Jacome/dpa)

Nicht nur das Gewebe transportiert Schall: Auch die Schädel der Bartenwale verstärken Geräusche. Bohrinseln oder Schiffe könnten daher das Gehör der Wale stärker schädigen als vermutet.

Von Hanno Charisius

Finnwale nehmen Geräusche unter Wasser auf zwei Weisen war: Schallwellen können durch das weiche Gewebe des Schädels zum Innenohr vordringen. Das funktioniert allerdings nicht besonders gut bei sehr tiefen Tönen, mit denen diese Tiere oft untereinander kommunizieren.

Anhand einer detailgetreuen digitalen Nachbildung des Kopfes eines gestrandeten Finnwals konnten jetzt Forscher aus San Diego aufdecken, wie auch Infraschall in das Gehör vordringen kann. Die extrem langen Schallwellen versetzen die Knochen des Schädels in Vibrationen und werden dabei verstärkt, berichteten der kalifornische Biologe Ted Cranford und seine Kollegen am Donnerstag im Fachblatt PLOS ONE (online).

Diese "Knochenleitung" sei für Finnwale und wahrscheinlich auch für andere Bartenwale der wichtigste Hörmechanismus, vermutet Cranford. Auf ähnliche Weise würden auch Menschen unter Wasser Schall wahrnehmen können. Cranford hofft, dass die neuen Erkenntnisse den Gesetzgebern dabei helfen werden, Grenzwerte für menschengemachten Lärm in den Ozeanen festzulegen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Lärm etwa von Schiffen, Bohrinseln oder Militärmanövern das Orientierungsvermögen der Tiere empfindlich stört.

© SZ vom 30.01.2015
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