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Medizinische Fachzeitschriften:Ghostwriter im Dienste der Pharmafirmen

Ghostwriter verfassen Artikel für medizinische Fachzeitschriften und echte Forscher setzen ihre Namen darunter. Häufig haben die Texte das Ziel, Medikamente zu bewerben. Wieso lässt sich das nicht verhindern?

Katrin Blawat

Sie schreiben Artikel in medizinischen Fachzeitschriften, doch ihr Name taucht darin nicht auf - für sogenannte Ghostwriter gehört das zum Arbeitsalltag. Häufig arbeiten sie im Dienst eines Pharmaunternehmens, in dessen Auftrag sie ein Medikament bewerben - und zwar so geschickt, dass der Fachartikel wie eine seriöse wissenschaftliche Studie wirkt.

PlosMedicine

Selbst das Magazin Plos Medicine, welches auf das Ghostwriting in Fachzeitschriften aufmerksam gemacht hat, ist auf fragwürdige Artikel hereingefallen.

(Foto: PlosMedicine/screenshot)

Auf diese Methode soll unter anderem die Firma Wyeth gesetzt haben, um den Verkauf eines Hormonpräparats gegen Wechseljahresbeschwerden zu steigern. Solche Mittel fördern die Entstehung von Brustkrebs.

Eine einfache Lösung, wie sich das ethisch sehr fragwürdige Ghostwriting verhindern ließe, sei nicht in Sicht, schreiben nun Redakteure der Zeitschrift PLoS Medicine im Editorial der aktuellen Ausgabe (online).

Kürzlich hatten Simon Stern und Trudo Lemmens von der University of Toronto im gleichen Fachmagazin vorgeschlagen, Ghostwriting rechtlich als Betrug einzustufen und entsprechend zu bestrafen.

So wollten Stern und Lemmens jene Form des Ghostwritings eindämmen, bei der Pharmafirmen eine Studie von bezahlten Autoren schreiben lassen und gleichzeitig Wissenschaftler dazu bringen, ihren Namen gegen Geld für die Autorenzeile herzugeben, ohne dass die Forscher substantielle Teile zu der Veröffentlichung beigetragen hätten.

Manche Forscher lassen sich auf dieses Spiel ein, weil sie auf diese Weise die Zahl der Veröffentlichungen mit ihrem Namen erhöhen - dies ist die harte Währung der akademischen Welt.

Manchmal taucht der Name des Ghostwriters in einer Studie zwar auf, aber nicht in der Autorenzeile, sondern versteckt am Ende unter dem Stichwort "Contributors" (Mitwirkende). Da auch dies den Leser in die Irre führt, gelten in vielen Fachjournalen Richtlinien, die eine genaue Aufschlüsselung darüber verlangen, wer was und wie viel zu einer Studie beigetragen hat.

Allerdings könnten auch diese Richtlinien das Ghostwriting nicht verhindern, heißt es im aktuellen Editorial der Fachzeitschrift PloS Medicine, in der ebenfalls schon von Ghostwritern verfasste Studien erschienen sind.

Einer Umfrage vor drei Jahren zufolge waren auch die angesehensten Medizinjournale wie das New England Journal of Medicine, das British Medical Journal, das Journal of American Medical Association (JAMA), The Lancet und Nature Medicine bereits betroffen. Allerdings blieb in der Befragung unklar, ob und von wem die Ghostwriter in diesen Fällen bezahlt worden waren.

Als erstes müsse jeder in der Branche akzeptieren, dass es Ghostwriter überhaupt gibt und welch großes Problem sie darstellen, schreiben die Fachredakteure in ihrem Editorial. Andernfalls könne das schon jetzt beeinträchtigte Vertrauen in medizinische Literatur irreversibel beschädigt werden.

© SZ vom 31.08.2011/mcs

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