Hawaii:Weg frei für das Riesenteleskop auf dem heiligen Berg?

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Hawaii: Auf dem Gipfel des Mauna Kea befinden sich bereits 13 Observatorien.

Auf dem Gipfel des Mauna Kea befinden sich bereits 13 Observatorien.

(Foto: imago stock&people/imago/Leemage)

Der Berg Mauna Kea auf Hawaii ist der ideale Standort für ein geplantes Observatorium. Doch seit Jahren herrschen Konflikte um die Nutzungsrechte des Bergs. Ein neues Gesetz soll Einigkeit bringen.

Von Nina Kammleiter

Der Berg Mauna Kea auf Hawaii sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Konflikte zwischen den Interessen der Wissenschaft und der indigenen Bewohner auf Hawaii. Denn der 4200 Meter hohe Mauna Kea ist der ideale Standort für astronomische Observatorien. Gleichzeitig gilt seine Gipfelregion unter Indigenen als Ort der Götter. Ein neues Gesetz soll den festgefahrenen Konflikt nun beilegen, berichtet die Fachzeitschrift Nature.

Das in der vergangenen Woche von dem Gouverneur Hawaiis unterzeichnete Gesetz sieht vor, dass das umstrittene Gebiet auf dem Mauna Kea künftig von einem 11-köpfigen Gremium bestehend aus verschiedenen Interessengruppen verwaltet werden soll, darunter Vertreter aus Astronomie, Bildung, Landflächenverwaltung Politik und der indigenen Gruppen auf Hawaii. Damit wird die University of Hawaii von ihrer Rolle als Aufsichtsbehörde für das Gebiet entbunden. 1968 hatte die Universität einen Pachtvertrag über 65 Jahre mit dem Staat geschlossen, der den Betrieb eines wissenschaftlichen Reservats mit dem Schwerpunkt Astronomie gewährte. Durch das neue Gesetz muss die Universität laut Nature die Verwaltung des Gebiets bis 2028 vollständig dem neuen Gremium übergeben.

Proteste verhinderten den Bau des Teleskops

Grund für die Gesetzesänderung ist ein Konflikt um Mauna Kea, der bereits seit 2015 immer wieder aufflammt. Für die Astronomie ist Mauna Kea ein bedeutender Standort: Auf dem Gipfel des Berges befinden sich bereits 13 Observatorien, wovon zwei aktuell stillgelegt werden. Mit dem Bau eines weiteren Teleskops, das sogenannte Thirty Meter Telescope (TMT), mit einem Spiegel mit 30 Metern Durchmesser, wurde bereits 2014 begonnen. Es sollte eines der leistungsfähigsten Teleskope der Welt werden. Heftige Proteste und Klagen der indigenen Bevölkerung aus Sorge um den heiligen Berg unterbrachen den Bau. Auch nach einem Gerichtsbeschluss im Jahr 2018, der die Baugenehmigung für rechtmäßig erklärte, wurde der erneute Baubeginn durch Straßenblockaden verhindert. Seitdem herrscht Stillstand.

Für die Astronomen ist der Gipfel des Mauna Kea der ideale Platz. "Als Standort für Teleskope sind Gegenden mit geringer Lichtverschmutzung und stabilen, trockenen Wetterbedingungen sehr gut geeignet", erklärt Markus Nielbock vom Max-Planck-Institut für Astronomie. Der Standort Mauna Kea habe sich in der Vergangenheit bewährt, da der Gipfel oberhalb der Wolkengrenze liege, so der Experte. Besonders bei infrarotem Licht, das bei feuchter Luft stärker absorbiert wird, sei dies ideal. Mit Teleskopen in der Größenordnung des TMT könne man besonders gut lichtschwache und weit entfernte Objekte beobachten.

Die Zukunft des TMT ist nach wie vor unklar

Nach jahrelangem Stillstand in der Frage um die Zukunft der Astronomie und des TMT auf Mauna Kea sollen nun Lösungen gefunden werden. Den Vorschlag für das neue Gesetz machte laut Nature ein Sprecher des Repräsentantenhauses. Rich Matsuda, stellvertretender Direktor für Außenbeziehungen am W. M. Keck Observatorium in Waimea, Hawaii, sieht in den Erfolg des neuen Vorstoßes vor allem darin, dass ein Rahmen des gegenseitigen Respekts geschaffen wurde. "Die Dinge wurden oft als Kultur gegen Wissenschaft dargestellt", sagt er dem Magazin Nature. Auch Indigene wie Noe Noe Wong-Wilson, die bei den Straßenblockaden mitwirkte, hoffen auf das neue Gremium. "Wir haben so lange darum gekämpft, gehört zu werden", sagte sie gegenüber Nature.

Wie es mit den Observatorien und besonders mit dem geplanten TMT weitergeht, ist nach wie vor unklar. Zunächst müssen die Mitglieder des Gremiums festgelegt werden. Zudem muss erneut geprüft werden, wie sich der Bau des Teleskops auf Mauna Kea auswirken würde. Auch die Finanzierung des TMT ist noch unklar. Ob das geplante Riesenteleskop mehrere Jahre nach seiner Planung nun doch noch auf dem Mauna Kea gebaut werden kann, bleibt abzuwarten.

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