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Covid-19:Masken sind auch zu Hause sinnvoll

Coronavirus: Berliner Designer entwerfen Mundschutz

Kann sogar ganz schick sein: Mundschutz-Masken des Labels 'Foguelina'.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Zwei neue Studien unterstreichen, wie sehr das Tragen von Mund-Nasen-Schutz zur Eindämmung der Corona-Pandemie beitragen kann - auch innerhalb von Familien.

Von Christina Kunkel

Je mehr Freiheiten die Menschen durch die Corona-Lockerungen wieder genießen, desto größer wird bei manchen der Impuls, auch die letzten verbliebenen Maßnahmen zu hinterfragen. Ein Utensil, über das seit Wochen immer wieder diskutiert wird, ist der Mund-Nasen-Schutz. Nicht nur das anfängliche Zögern der Politik bei der Einführung der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen hat dazu beigetragen. Auch die Schutzwirkung bei der Übertragung des Coronavirus wurde immer wieder angezweifelt.

Jetzt zeigen zwei neue Studien, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ein wirksames Mittel ist, um die Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu verringern. Dies gilt sogar zu Hause, wie chinesische Forscher im Fachmagazin BMJ Global Health berichten. Sie untersuchten 335 Menschen in 124 Familien, bei denen mindestens ein Mitglied des Hausstandes positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden war. Dabei bestätigten sich Beobachtungen aus anderen Studien: Die größte Gefahr geht von Infizierten aus, bevor diese überhaupt erste Symptome entwickeln. In dieser Phase ist laut den chinesischen Forschern das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch zu Hause besonders effektiv: Es verringerte das Ansteckungsrisiko für weitere Familienmitglieder um 79 Prozent, wenn der Betroffene und seine Angehörigen Masken tragen. Ähnlich effektiv war auch das tägliche Nutzen von Desinfektionsmitteln.

Eine weitere Studie aus China und den USA befasst sich ebenfalls unter anderem mit dem Einsatz von Gesichtsmasken. In der im Fachmagazin Science erschienenen Arbeit beschreiben die Forscher anhand epidemiologischer Daten, dass Länder mit einer frühzeitig eingeführten Maskenpflicht wie Taiwan, Singapur oder Südkorea die Corona-Pandemie besonders gut eindämmen konnten. Zudem hätten diese Länder dafür gesorgt, jedem Bürger günstigen und verlässlichen Zugang zu einem Mund-Nasen-Schutz zu verschaffen.

Der Nutzen sei auch deshalb so groß, weil die Forscher davon ausgehen, dass das Virus nicht nur beim Husten, Niesen oder Sprechen in direkter Nähe übertragen wird, sondern auch in kleineren Tröpfchen länger in der Luft stehen bleibt. So könnten sich Menschen infizieren, obwohl sie die Abstandsregeln beachten. Die von der WHO empfohlenen zwei Meter basierten demnach auf Studien aus den 1930er-Jahren, als der Nachweis von Aerosolen noch gar nicht möglich war. Besonders in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen mit vielen Personen sei daher das Tragen einer Gesichtsmaske ein wichtiger Schutz.

© SZ vom 02.06.2020
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