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Marssonde Phobos-Grunt:Russischer Weltraumschrott soll über Argentinien auf Erde stürzen

Die Marssonde Phobos-Grunt war als ehrgeiziges Weltraumprojekt der Russen ins All gestartet - zurück kommt sie als Weltraumschrott. Die russische Raumfahrtbehörde hat nun eine Prognose abgegeben, wo die 120 Millionen Euro teure Raumsonde abstürzen soll.

Am Sonntagabend regnet es Weltraumschrott - nur wo, das ist noch unklar: Teile der defekten russischen Raumsonde Phobos-Grunt sollen nach neuen Berechnungen der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos voraussichtlich in Argentinien einschlagen.

Fraunhofer-Institut verfolgt Absturz defekter Marssonde mit Radar

Ein Modell der russischen Marssonde Phobos-Grunt mit ausgeklappten Solarpanels. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts beobachten den bevorstehenden Absturz der Marssonde.

(Foto: dapd)

Die 120 Millionen Euro Marssonde - oder das, was von ihr nach Eintritt in die Erdatmosphäre übrig bleibt - werde voraussichtlich um 18.52 Uhr deutscher Zeit etwa 120 Kilometer westlich der Stadt Rosario im Zentrum Argentiniens zu Boden gehen, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen Verantwortlichen des russischen Weltraumprogramms. Demnach wurde aber erst am Abend eine definitive Angabe erwartet.

Roskosmos hatte zuvor mehrmals die Berechnungen über Ort und Zeit des Absturzes revidiert. Zuvor hatte die Behörde die Meeresgebiete um Südamerika als möglichen Absturzort genannt. Sie geht davon aus, dass von der 13,5 Tonnen schweren Sonde lediglich etwa 20 bis 30 Teile mit einem Gesamtgewicht von höchstens 200 Kilogramm den Eintritt in die Erdatmosphäre überstehen.

Die USA, Kanada und weite Teile Russlands liegen offenbar außerhalb des möglichen Absturzgebiets. Wissenschaftler schätzen die Wahrscheinlichkeit als sehr gering ein, dass die Sonde überhaupt auf bewohnte Gebiete trifft. Es liegen zudem keine Berichte vor, dass jemals ein Mensch von abstürzendem Weltraumschrott verletzt wurde. Statistisch gesehen sei es zwar nicht auszuschließen, dass die Sonde in Südeuropa abstürzt, sagte ein Sprecher der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Darmstadt, Bernhard von Weyhe. Dies sei aber nicht sehr wahrscheinlich.

Er rief in Erinnerung, dass rund 70 Prozent der Erdoberfläche von Ozeanen bedeckt sind und die Wahrscheinlichkeit, dass die Sonde auf Land trifft, daher gering sei. Ein Absturz in Nordeuropa sei ausgeschlossen.

Die Sonde war Anfang November gestartet, um auf dem größten Marsmond Phobos Bodenproben zu sammeln. Wegen technischer Probleme nach dem Start, offenbar ein Programmierfehler, verfehlte Phobos-Grunt aber die vorgesehene Flugbahn und blieb in der Umlaufbahn der Erde stecken. Die umgerechnet etwa 120 Millionen Euro teure Marssonde gilt als teuerste und ehrgeizigste Weltraummission Russlands seit dem Ende der Sowjetunion. Die Sonde war am 9. November vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan gestartet.