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Mars-Mission:Der nächste Schnüffler

Mars 2020: Der Rover "Perseverance"

Der Rover "Perseverance" der Nasa soll im Februar kommenden Jahres auf dem Mars aufsetzen.

(Foto: JOE SKIPPER/REUTERS)

Die Nasa schickt ihr bislang ambitioniertestes Fahrzeug zum Mars: Der Rover "Perseverance" soll testweise Sauerstoff gewinnen - um später mit dieser Technik Menschen auf dem Roten Planeten das Atmen zu ermöglichen.

Von Patrick Illinger

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat am Donnerstag ein weiteres, ambitioniertes Raumfahrzeug zum Mars geschickt. Hauptbestandteil der Mission ist der robotische Rover Perseverance (zu Deutsch: Ausdauer), der im Februar des kommenden Jahres im Jezero-Krater des Roten Planeten aufsetzen und mindestens ein Mars-Jahr, also 687 Erdtage, lang nach Spuren von Leben suchen soll. Der Rover soll auch Proben von Marsgestein sammeln, die später zur Erde geschickt werden. Los ging es für den Rover vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus an Bord einer Atlas-V-Rakete.

Auf den ersten Blick sieht das neue, mehr als zwei Milliarden Euro teure Mars-Fahrzeug früheren Rovern der Nasa verblüffend ähnlich, zum Beispiel den Zwillingsvehikeln Spirit und Opportunity, die weit über die geplante Missionsdauer hinaus wahre Marathons auf dem Mars vollführt haben. Das Design mit sechs unabhängig voneinander arbeitenden Rädern und Solarzellen auf dem Rücken ist offenbar ein erfolgreiches Design für die Erkundung extraterrestrischer Welten.

Der Rover soll testweise Sauerstoff gewinnen - die Technik könnte Menschen auf dem Mars das Atmen ermöglichen

Sieben Instrumente hat Perseverance an Bord, darunter eine stereoskopische Weitwinkelkamera sowie eine Kamera, die chemische Zusammensetzungen aus der Ferne erkunden kann. Hinzu kommen ein Radargerät sowie weitere Sensoren für die Analyse des Marsgesteins. Interessant ist auch ein Gerät namens Moxie, das testweise Sauerstoff aus dem Kohlendioxid der Mars-Atmosphäre gewinnen soll. Die Technik könnte eines Tages dazu dienen, erste Menschen auf dem Mars mit Sauerstoff zu versorgen.

Trotz seiner Ähnlichkeit mit früheren Robotern betont die Nasa, dass Perseverance fortgeschrittenere Technik an Bord hat, zum Beispiel einen Autopiloten, der Hindernisse erkennt und vermeidet.

Die Fixierung auf den Roten Planeten wird kritisch gesehen

Der neue Nasa-Rover gehört weltweit betrachtet zur dritten Mission innerhalb weniger Wochen, die den Roten Planeten ansteuert. Am 19. Juli hatten die Vereinigten Arabischen Emirate eine Sonde ins All geschickt, die den Mars umkreisen soll. Am 23. Juli folgte China mit der Mission Tianwen-1, die sowohl einen Orbiter als auch einen Rover auf den Weg zum Mars gebracht hat.

In Raumfahrtkreisen wird allerdings die Fixierung auf den Roten Planeten auch kritisch gesehen. Seit den ersten Mars-Missionen vor gut 50 Jahren sind viele Dutzend Raketen zum Roten Planeten aufgebrochen und haben Sonden, Landegeräte oder Roboter abgesetzt. Der Mars ist der am besten erkundete außerirdische Himmelskörper im Weltall. Unzählige Male wurde er bereits gescannt, angebohrt und befahren. Nicht wenige Planetenforscher finden, dass andere Orte im Sonnensystem einer näheren Begutachtung wert wären, darunter die Venus sowie diverse Monde der großen Planeten Saturn und Jupiter. Ein Teil der Faszination für den Mars speist sich indes aus der Idee, dort eines Tages Menschen landen zu lassen. So planen etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, bis spätestens 2117 die erste Kolonie auf dem Mars zu errichten - ein Vorhaben, dessen wissenschaftlicher Sinn durchaus fragwürdig erscheint, da heutige (und künftige) Technologie den Mars präziser und effizienter erforschen kann, als es Astronauten vor Ort je könnten.

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Raumfahrt
:Hoffen auf den Mars

Erstmals haben die Vereinigten Arabischen Emirate erfolgreich eine Sonde ins All geschossen, die künftig Wetterdaten vom Roten Planeten sammeln soll. Nebenbei dient das Projekt noch ganz anderen Zielen.

Von Paul-Anton Krüger und Julian Rodemann

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