Louisiana Ein Ökosystem stirbt, zwei Flüsse wollen leben

Satellitenbild der Küste von Louisiana. Rotmarkiert sind die wachsenden Flussdeltas, Wax Lake und Atchafalaya.

(Foto: USGS/NASA)

An der Küste des US-Bundestaats Louisiana versinken Sümpfe im Atlantik. Doch Satellitenbilder der Nasa zeigen auch zwei kleine Flussdeltas, die immer weiter ins Meer hinauswachsen.

Von Marlene Weiß

An der Küste des US-Bundesstaats Louisiana sind traurige Entwicklungen zu beobachten. Die Sümpfe dort versinken im Golf von Mexiko - und zwar enorm schnell: Etwa alle neunzig Minuten geht die Fläche eines Fußballfeldes unter, für immer.

Grund sind vor allem die Eingriffe der Menschen in den Wasserhaushalt. Flüsse werden eingedämmt und umgeleitet, so dass sie an der Küste nicht mehr genug Schlamm abladen können, um die Landschaft zu erhalten. Der Klimawandel tut mit zunehmenden Stürmen und steigendem Wasserspiegel sein Übriges. In den kommenden Jahrzehnten, fürchten Wissenschaftler, werden im Mississippi-Delta 5000 Quadratkilometer Land verloren gehen.

Am Boden ist schwer zu beobachten, wie der Natur so etwas gelingt

Aber mitten in diesem untergehenden Ökosystem gibt es auch Stellen, an denen das Leben Land erobert. Auf Satellitenbildern der Nasa kann man sehen, wie seit 1984 zwei kleinere Flussdeltas immer weiter ins Meer hinausgewachsen sind: Zuerst sind da nur zwei schlichte Flussmündungen. Dann bilden sich Knospen aus, Sedimente häufen sich an, durch die sich das Wasser den Weg ins Meer bahnt.

Heute sehen die Deltas des Atchafalaya-Rivers und seines künstlichen Seitenarms Wax Lake Outlet von oben aus wie Bäume, mit Stämmen, Ästen, Zweigen und dichter Laubkrone: Dort ist eine neue, lebendige Flusslandschaft entstanden.

Am Boden ist schwer zu beobachten, wie der Natur so etwas gelingt. Forscher wissen noch erstaunlich wenig darüber, wie derartige Sümpfe funktionieren; und warum das eine Delta wächst, das andere schrumpft. Das liegt auch daran, dass Sumpfgebiete so schwer zugänglich sind, ob übers Land oder mit dem Boot. Nun haben Nasa-Forscher jedoch gezeigt, dass man auch aus der Luft Details von Vegetation und Wasserstand erfassen kann: Auf Forschungsflügen untersuchten sie die Region von oben mit Hilfe von Radar-Geräten, Laser-Technik und Infrarot-Spektrometern.

Damit konnten sie unter anderem den Weg des Wassers sichtbar machen, der im Sumpf sehr kompliziert sein kann: Die Wucht der aufs Ufer drückenden Flut lässt zeitweise Flüsse bergauf fließen, und wenn das Wasser wieder abläuft, fließt es nicht nur durch die offenen Kanäle, sondern auch durch das feuchte Marschland - und das mal schneller, mal langsamer, je nachdem, welche Pflanzen dort leben. "Wir waren sehr überrascht und beeindruckt, wie der Wasserstand sich verändert", sagte Projektleiter Marc Simard in einer Mitteilung der Nasa. "An manchen Stellen verändert sich der Wasserstand in ein, zwei Stunden um zehn Zentimeter, an anderen sind es nur vier."

Auf ihren neuen Bildern können die Nasa-Forscher nun sichtbar machen, wie das steigende und fallende Wasser das Atchafalaya-Delta prägt, nicht nur im Verlauf der Jahrzehnte, wie auf den Satellitenbildern, sondern auch über wenige Stunden. Aber egal, welche Bildfolge man betrachtet, eines zeigen beide deutlich: Die Erde ist ein Planet in ständiger Veränderung.