LetschinGedenken in Kienitz: 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg

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Michael Böttcher und Edgar Petrick stehen am Denkmal eines russischen Panzers vom Typ T34 in Kienitz.
Michael Böttcher und Edgar Petrick stehen am Denkmal eines russischen Panzers vom Typ T34 in Kienitz. Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

In den frühen Morgenstunden des 31. Januar 1945 waren sie plötzlich da: 1500 Russische Soldaten der 5. Stoßarmee in weißen Tarnanzügen waren nahezu unbemerkt...

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Kienitz (dpa/bb) - In den frühen Morgenstunden des 31. Januar 1945 waren sie plötzlich da: 1500 Russische Soldaten der 5. Stoßarmee in weißen Tarnanzügen waren nahezu unbemerkt über die vereiste Oder gekommen und besetzten Kienitz kampflos. „Die damals etwa 1200 Dörfler waren viel zu überrascht, als dass es Gegenwehr oder Flucht gab“, erzählt Michael Böttcher (Freie Wählergemeinschaft), Bürgermeister der Gemeinde Letschin (Märkisch-Oderland), zu der Kienitz gehört. Was er von den Ereignissen von vor 75 Jahren weiß, haben ihm seine Großeltern erzählt.

„Die Rotarmisten evakuierten die Zivilbevölkerung über die Oder gen Osten, damit die Leute nicht zwischen die Fronten gerieten. Die Rote Armee wollte ja so schnell wie möglich weiter nach Berlin“, hat der Kienitzer Ortschronist Edgar Petrick recherchiert. Tod und Zerstörung habe es erst gegeben, als die deutsche Wehrmacht Anfang Februar auf den klammheimlichen Schachzug der Russen aufmerksam geworden sei.

„Um die feindlichen Truppen zurückzudrängen, wurde Kienitz bombardiert. Auch der Oder-Hafen, in dem zahlreiche Schiffe mit Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten vor Anker lagen, war ein Ziel“, sagt der Hobbyhistoriker. Und so sei es gekommen, dass Kienitz trotz der kampflosen Einnahme doch noch zu 80 Prozent zerstört worden war.

„Kienitz wurde für die Rote Armee zum ersten Brückenkopf am westlichen Oderufer, ein strategisch äußerst wichtiger Punkt, den sie 76 Tage lang verteidigten“, erklärt Gerd-Ulrich Herrmann, Militärhistoriker aus Strausberg (Märkisch-Oderland). Von dem Oderbruchdorf aus waren es nur noch 90 Kilometer bis in die deutsche Reichshauptstadt.

Bis zum 23. März hätten die russischen Stoßtrupps den Brückenkopf auf 315 Kilometer erweitert, um dort Kräfte für die sogenannte Berliner Operation zu stationieren, sagt Herrmann. Ein Panzer vom Typ T 34 soll damals der erste gewesen sein, mit dem die Russen über die Oder kamen. „Er rollte jedoch nicht über das Eis, wie oft behauptet, sondern über eine von zwei Holzbrücken, die die Rote Armee in den Folgetagen errichtet hatte“, stellt Bürgermeister Böttcher klar.

Für die Kienitzer sei er zum Symbol dieser denkwürdigen Ereignisse in ihrer Geschichte geworden. „Der Panzertyp war im Zweiten Weltkrieg zum Schrecken der deutschen Wehrmacht geworden, ob in Stalingrad, am Kursker Bogen oder bei der Schlacht um die Seelower Höhen“, sagt Böttcher. Deswegen, ergänzt Ortschronist Petrick, hätten sie nach einer Idee des damaligen Bürgermeisters 1970 beschlossen, ein ausrangiertes Exemplar der Russischen Streitkräfte in der damaligen DDR auf dem Dorfanger auf einen Sockel zu heben.

Bürgermeister Böttcher zeigt alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Sommer 1970, auf dem Kienitzer beim Verlegen der Bodenplatten und Mauern des Sockels direkt neben der „Straße der Befreiung“ zu sehen sind. „Wir schufen uns damit einen Erinnerungsort für die denkwürdigen Ereignisse von 1945.“

Nach der Wiedervereinigung habe der Panzer nie zur Disposition gestanden, ergänzt Petrick. „Die Geschichte erbt man nicht in Teilen, sondern im Ganzen und der Panzer gehört als Ort des Gedenkens dazu.“ Seit nunmehr 50 Jahren werde jedes Jahr am 31. Januar an dem Denkmal in der 400-Seelen-Gemeinde an die Errichtung des Brückenkopfes erinnert.

75 Jahre nach den historischen Ereignissen wird der Kienitzer Panzer am Freitag (31.1./11.00) Ort der zentralen Gedenkveranstaltung des Landkreises Märkisch-Oderland. Als Ehrengäste werden Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der russische Botschafter Sergej Netschajew und der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums e.V., Matthias Platzeck (SPD) erwartet. Gemeinsam soll an die Befreiung Brandenburgs vom Nationalsozialismus erinnert werden. Kranzniederlegungen sind sowohl am Panzer, als auch an dem 1999 auf der anderen Straßenseite errichteten Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges geplant.

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