Landwirtschaft 120 Tage Tod

Neonicotinoide stehen im Verdacht, unter anderem Bienen schwer zu schädigen.

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Per Notfallzulassung hat eine Bundesbehörde den Einsatz des Pestizids Carnadine befristet gestattet. Umweltverbände sind entsetzt, da das Gift einen Neonicotinoid-Wirkstoff enthält, der nicht nur Schädlinge tötet, sondern auch Bienen.

Per Notfallzulassung hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den Einsatz des insektenschädlichen Pestizids Carnadine erlaubt. Das Mittel enthält den Wirkstoff Acetamiprid, ein Neonicotinoid. Wie alle "Neonics" greift auch diese Substanz das Nervensystem von Insekten an und tötet nicht nur Schädlinge, sondern alle Insekten, die damit in Kontakt kommen. Das BVL ist dem Landwirtschaftsministerium untergeordnet. "Nach außen inszeniert sich Agrarministerin Julia Klöckner als oberste Bienenschützerin, im Hintergrund versetzt sie den Insekten den nächsten Todesstoß", kommentiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Entscheidung. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Klöckner versprochen: "Was der Biene schadet, muss vom Markt".

Das BVL kann eigentlich verbotene Pestizide für einen begrenzten Zeitraum erlauben. Dabei sei ausschlaggebend, "ob sich eine solche Maßnahme angesichts einer anders nicht abzuwendenden Gefahr als notwendig erweist", teilte das Landwirtschaftsministerium auf eine Anfrage der Grünen mit. Die Gefahr sind in diesem Fall offenbar zwei Blattlaus-Arten an Zucker- und Futterrüben. Die Zulassung für Carnadine, das von der Kölner Firma Nufarm Deutschland hergestellt wird, gilt 120 Tage lang. "Das Mittel wird als schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten eingestuft", heißt es in den Zulassungsunterlagen. Erst kürzlich hat die Behörde 18 Unkraut- und Insektengifte bis Jahresende erlaubt, denen das Umweltbundesamt (UBA) "erhebliche negative Auswirkungen auf die Biologische Vielfalt, insbesondere auf die Insektenwelt" bescheinigt hatte.