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Digitalisierung:Bayer, Amazon und Google sammeln immense Mengen Daten

"Kleine, wendige Feldroboter, die über GPS navigieren und sich mit Sensoren Umweltinformationen beschaffen, können eine Einzelpflanzenbetreuung realisieren, wie man es aus dem Gewächshaus kennt", erklärt Wegener. "Sie versorgen jede einzelne Pflanze nach Bedarf mit Nährstoffen und schützen diese vor Krankheiten und Schädlingen." Ressourcenschonend arbeitet auch Boni Rob, ein Feldroboter auf Rädern, entwickelt von der deutschen Firma Deepfield Robotics. Der kann Unkraut mithilfe eines Rammstabes im Boden versenken - und damit Herbizide wie Glyphosat ersetzen.

Zudem wird an Drohnen geforscht, die einmal die Bestäubungsarbeit der Bienen verrichten können, falls es nicht gelingt, das massenhafte Bienensterben einzudämmen. Auf dem Markt sind bereits Drohnen, die Schlupfwespen-Eier tragen und diese in Kapselform über einem Maisfeld abwerfen, das etwa vom Zünsler befallen ist. Die Wespen schlüpfen und legen ihre Eier in die des Maiszünslers, was den Schädling bekämpft und Ernteverluste begrenzt. Die Drohne fliegt autonom und wirft alle zehn Meter eine Kapsel ab.

"Ob ich als Landwirt eine Beziehung zur Kuh habe, ist aus tierethischer Sicht nicht wichtig"

Im Tierstall eröffnet insbesondere das "Internet der Dinge" Chancen. So sorgen etwa Klimaanlagen für ein besseres Wohlbefinden von Hühnern oder Schweinen, indem sie automatisch lüften oder heizen. Mit Sensoren ausgestattete Halsbänder können Kühe erkennen, die auffällig viel liegen oder wenig trinken und fressen. Sie alarmieren den Bauern über das Smartphone. Das klingt zwar nicht nach bäuerlichem Idyll, aber: "Ob ich als Landwirt eine Beziehung zur Kuh habe, ist aus tierethischer Sicht nicht wichtig", sagt Armin Grunwald vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe. "Wichtig ist vielmehr, dass das Tier ordentlich gehalten wird - egal ob mit oder ohne Digitalisierung im Stall."

Ein weiterer Vorteil: Die gesammelten Informationen können geteilt werden. So könnten auch benachbarte Betriebe von einem drohenden Schädlingsbefall erfahren. Zwar wird das Smart Farming derzeit vor allem von großen Höfen genutzt, allerdings können auch kleine Betriebe profitieren. Laut dem Bayerischen Bauernverband könnten etwa teure Maschinen gemeinschaftlich genutzt werden. Ein Hindernis für die zügige Verbreitung ist derzeit jedoch die oft mangelnde Anbindung an schnelles Internet auf dem Land.

Doch die weitreichende Vernetzung auf dem Feld zieht auch große Agrar-Firmen an. Bayer, John Deere, aber auch Amazon und Google sammeln derzeit immense Mengen an Agrar-Daten. Der Grund für das Interesse: Goldman Sachs prognostizierte vor zwei Jahren für das Smart Farming ein Marktpotenzial von 240 Milliarden Dollar, bei 70 Prozent mehr Erträgen bis 2050. "Durch die Eigentumsverhältnisse an Daten können jedoch rasch Machtverhältnisse entstehen", warnt Grunwald.

Dass eine Abhängigkeit von großen Unternehmen nicht ratsam ist, meinen auch die Wissenschaftler der "Innovationsinitiative Landwirtschaft 4.0". Die Forscher der Leibniz-Institute fordern in einem Positionspapier, die Vernetzung öffentlich zu fördern, um einen monopolisierten Zugriff auf die Daten zu verhindern. "Diese großen Konzerne halten dann möglicherweise eines Tages die Daten der Landwirte in der Hand", meinte der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck auf der "Digital Farming Conference" im Frühjahr. Da stelle sich die Frage, wie sehr Bauern dann noch eigenständig wirtschaften könnten.

© SZ vom 12.09.2019/fehu
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