Digitalisierung:Hat die Maschine Probleme, ist der Mensch gefragt

"Einzelne Komponenten sind schon extrem gut entwickelt, aber wenn es darum geht, sie in ein IT-System einzubetten, stehen wir noch komplett am Anfang", sagt Hans Griepentrog von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Vor allem müssten die Maschinen lernen, zu kommunizieren. Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste, die alle Informationen zusammenführten und daraus Handlungsempfehlungen ableiteten, gelte es zu verbessern. Dass komplett autonome Systeme zum Einsatz kommen werden, glaubt der Wissenschaftler nicht: "Das können sich vielleicht Militär und Untertagebau leisten. Für die Landwirtschaft ist das einfach zu teuer." Hier sei eben doch ab und zu noch ein Mensch gefordert, um zum Beispiel Roboter, die Unkraut jäten, von eingeklemmten Blattwerk zu befreien.

Bedenken hat Griepentrog auch, weil der Datenfunk zurzeit nur mit Einschränkungen funktioniert. "In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel fahren Trecker mit automatischer Lenksteuerung die Felder ab. Dese Systeme fallen regelmäßig aus, wenn mittags die Schule zu Ende ist und alle Schüler ihre Handys einschalten, weil Sprache Vorrang vor Daten hat", berichtet er. Die Abhängigkeit vom Datenfunk sei schon allein deshalb kritisch zu bewerten, da es um die Produktion von Nahrungsmitteln gehe.

Nicht umsonst ordnet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Landwirtschaft in die Kategorie "kritische Infrastruktur" ein, die es vor Hackerangriffen zu schützen gilt. "Auch die Frage, wem die Daten gehören, ist noch nicht geklärt", moniert Griepentrog. Schon heute sammelten moderne Landmaschinen jede Menge betriebsspezifische Informationen, die dann auf den Servern der Hersteller landeten. "Die Hersteller versprechen zwar, dass sie die Daten nicht weiter geben, aber es gibt keine rechtlichen Grundlagen, das zu prüfen oder eine Weitergabe zu sanktionieren."

Die schlauen Maschinen könnten eine Abkehr von großflächigen Monokulturen ermöglichen

Insgesamt bewertet der Forscher die Möglichkeiten der digitalisierten Landwirtschaft aber positiv, auch weil der Einsatz von Robotern eine Abkehr von großflächigen Monokulturen und mächtigen Landmaschinen ermöglicht. "Die Flächen können wieder kleiner und durch Landschaftselemente wie Teiche, Bäume, Hecken oder Wälle unterteilt werden." Das steigere die Artenvielfalt und verhindere, dass immer mehr Boden buchstäblich vom Wind verweht wird. "Solche Maßnahmen werden auch von der Gesellschaft gefordert. Und unserer Einschätzung nach würden sie auch sehr gut funktionieren, ohne Ertragseinbußen", sagt Griepentrog.

Senthold Asseng jedenfalls ist überzeugt, dass die "Landwirtschaft 4.0" kommen wird. "Ich bekomme oft skeptische Rückmeldungen, das alles sei eine Utopie, die vielleicht in 100 Jahren Wirklichkeit wird. Ich glaube aber, dass es sehr schnell gehen kann und schon in vier bis fünf Jahren erste Betriebe einen Großteil der Techniken einsetzen werden", sagt der Wissenschaftler.

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