Süddeutsche Zeitung

Kinderheilkunde:Mehr Kurzsichtigkeit in der Pandemie

Mehr Bildschirmzeit, weniger Spiel im Freien: Bei Kindern in Singapur haben Augenprobleme seit Ausbruch der Corona-Pandemie offenbar zugenommen.

Die Corona-Pandemie könnte zumindest in bestimmten Regionen zu mehr Kurzsichtigkeit bei Kindern geführt haben. Wissenschaftler von der Chinese University of Hong Kong hatten die Augen von 1793 Kindern aus der Hong Kong Children Eye Study (HKCES) untersucht, einer Studie zu Augenkrankheiten bei 6- bis 8-Jährigen (British Journal of Ophthalmology). Gut 700 der Kinder wurden zu Beginn der Pandemie in die Studie aufgenommen. Von ihnen entwickelten im Laufe eines Jahres etwa 27 Prozent eine Kurzsichtigkeit. Vor der Pandemie waren nur etwa 16 Prozent der Kinder pro Jahr kurzsichtig geworden. Gleichzeitig hatten die Kinder während der Pandemie pro Tag etwa 50 Minuten weniger im Freien, dafür aber 4,5 Stunden mehr vor Bildschirmen verbracht. Ein kausaler Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen kann durch die Beobachtungen nicht belegt werden, ist aber plausibel. "Die Befunde sind nicht unerwartet, aber eben doch neu", erklärt Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz. "Die Reaktion sollte sein: Kinder sollen wieder mehr draußen sein, mindestens zwei Stunden pro Tag", betont der Experte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

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