TiereDer Mensch hat die Kuh gewaltig unterschätzt

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Ähnlich wie Menschen haben Kühe eine Persönlichkeit.
Ähnlich wie Menschen haben Kühe eine Persönlichkeit. Matthias Bein/Matthias Bein/dpa
  • Kühe können Menschen an ihren Gesichtern erkennen und unterscheiden, wie französische Biologen in einer Studie mit 32 Holstein-Kühen demonstriert haben.
  • Die Tiere können außerdem die Stimme eines bekannten Menschen seinem Gesicht zuordnen, wie Experimente mit Bildschirmen und Tonaufnahmen zeigten.
  • Neuere Studien belegen, dass Kühe individuelle Persönlichkeiten haben, Freundschaften pflegen und nicht die dummen Fressmaschinen sind, für die sie oft gehalten werden.
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Kühe pflegen Freundschaften und haben individuelle Persönlichkeiten. Zu den vielen bekannten Fähigkeiten der Wiederkäuer kommt jetzt eine weitere hinzu.

Von Tina Baier

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Kühe und Menschen leben bereits seit etwa 10 000 Jahren zusammen. Seltsam, dass trotzdem so wenig über die stämmigen Tiere mit den großen Augen bekannt ist. In den meisten wissenschaftlichen Studien geht es darum, wie sich Milchproduktion und Fleischertrag optimieren lassen. Erst seit Kurzem interessieren sich Biologen auch für die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten der Tiere und stellen fest: Der Mensch hat die Kuh gewaltig unterschätzt.

Während die meisten Menschen Kühe nicht als Individuen wahrnehmen, sondern als Teil einer Herde, können Kühe Menschen offenbar an ihren Gesichtern erkennen und unterscheiden. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Plos One beschreibt ein Team um die französische Biologin Océane Amichaud zudem, dass Kühe die Stimme eines ihnen bekannten Menschen seinem Gesicht zuordnen können.

Um das zu demonstrieren, testeten die Forschenden 32 Holstein-Kühe.  Im ersten Teil ihres Experiments wurden die Tiere einzeln in einen Teststall geführt, an dessen Wand zwei riesige Bildschirme hingen. Auf einem war das Gesicht eines Menschen zu sehen, den die Kuh kannte, auf dem anderen ein Gesicht, das die Tiere noch nie gesehen hatten. Drei Kameras zeichneten die Reaktionen der Kühe aus verschiedenen Winkeln auf.

Dumme Fressmaschinen ohne Gedanken und Gefühle?

„Die Kühe schauten sich das Video mit dem bekannten Gesicht signifikant länger an“, schreiben die Forschenden in ihrer Studie. Das beweise, dass die Tiere das bekannte Gesicht von dem unbekannten unterscheiden können. In einem zweiten Experiment spielten die Forschenden den Kühen zusätzlich eine Tonaufnahme vor, auf der entweder die Stimme des bekannten oder des unbekannten Menschen zu hören war. Immer waren es die gleichen Sätze: Das Meeting beginnt gleich. Ich gehe meine Sachen holen. Die Katze klettert auf den Baum. „Diese Sätze wurden ausgewählt, weil sie Wörter enthalten, die Kühe normalerweise nicht zu hören bekommen“, heißt es in der Studie.

Diesmal schauten sich die Kühe immer dasjenige Video am längsten an, bei dem Stimme und Gesicht zusammenpassten. Das bedeutet nach Ansicht der Forschenden, dass die Kühe die Stimme eines Menschen seinem Gesicht zuordnen können. Ihre Experimente seien ein starker Hinweis darauf, dass Kühe Menschen individuell sowohl an deren Gesicht als auch an deren Stimme erkennen können, schreiben sie.

Dieses Ergebnis passt in eine Reihe jüngerer Studien, die alle die nach wie vor verbreitete Ansicht widerlegen, dass Kühe dumme Fressmaschinen ohne Gedanken und Gefühle sind. Oft verbunden mit der Schlussfolgerung, dass man diese Tiere – anders als etwa Hunde – nicht besonders gut behandeln müsse. So ist mittlerweile belegt, dass Kühe eine Persönlichkeit haben, die sich im Lauf ihres Lebens nicht verändert: ängstliche Kälber werden zu ängstlichen Kühen, andere sind von Natur aus geselliger als andere. Die Tiere pflegen zudem Freundschaften und Feindschaften. Und viele haben eine beste Freundin, mit der sie jeden Tag Seite an Seite grasen und schlafen.

Was bedeuten all diese Erkenntnisse für den Umgang mit den mehr als zehn Millionen Rindern, die in Deutschland gehalten werden? Höchste Zeit, darüber nachzudenken.

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