BiologieAchtung, Kröten im Liebestaumel!

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Faszinierend anzusehen: Weibliche Erdkröte
Faszinierend anzusehen: Weibliche Erdkröte (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Die Massenwanderung der Tiere zu ihren Laichplätzen ist jedes Jahr ein faszinierendes Schauspiel. Doch Kröten haben noch viel mehr zu bieten. Acht überraschende Fakten.

Von Tina Baier

Als ob sie sich einen Wecker gestellt hätten, kommen in der Dämmerung derzeit überall die Erdkröten aus ihren Verstecken und wandern zu ihren Laichgewässern. „Es ist jetzt auf einmal richtig losgegangen“, sagt Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV), der seit einigen Tagen damit beschäftigt ist, die Tiere einzusammeln, sicher über die Straße zu bringen und in ihrem Laichgewässer freizulassen. „Dieses Jahr ist es relativ spät losgegangen“, sagt Schäffer. „Das lag vor allem an der Trockenheit.“ Die Kröten brauchen nämlich nicht nur warme Nächte, sondern auch Feuchtigkeit. Doch nicht nur das Phänomen der Massenwanderung ist faszinierend. Kröten sind auch noch aus vielen anderen Gründen bemerkenswerte Tiere.

Kröten sind größenwahnsinnig

Männliche Erdkröten bleiben oft mitten auf der Straße hocken. Das halten sie für einen guten Platz, um nach Weibchen Ausschau zu halten. Kommt eines vorbei, springen sie auf seinen Rücken und lassen sich Huckepack zum Laichgewässer tragen. Kommt dagegen ein Auto, richten sich die Männchen auf, um ihm zu drohen.

Verliebte Kröten irren sich

Im Liebestaumel klammern sich Erdkröten-Männchen an alles, was ihnen unter die Brunstschwielen kommt. Statt eines Weibchens erwischen sie da schon mal einen Fisch oder den Finger einer Krötenretterin. „Die Umklammerung ist so stark, dass man sie kaum vom Finger runterbekommt“, sagt Schäffer. Manchmal erwischen die liebestrunkenen Amphibien auch ein anderes Männchen. Um den Irrtum aufzuklären, gibt der verwechselte Kröterich ein empörtes „ük ük ük“ von sich. Das soll so viel heißen wie: „Geh runter, du liegst hier völlig falsch.“ „Diesen Ruf kann man auch auslösen, wenn man ein Männchen unter den Vorderbeinen berührt“, sagt Schäffer.

Krötenlecken statt Froschküssen

Frösche werden meistens nur im Märchen geküsst, im echten Leben gibt es aber Menschen, die an Kröten lecken. Genauer gesagt an der bis zu 20 Zentimeter großen Coloradokröte, Bufo alvarius. Wenn man das Tier sanft drückt, tritt aus seinem Nacken ein Sekret aus, das die psychoaktive Substanz 5-MeO-DMT enthält. Sie verursacht einen kurzen, aber intensiven Rausch. In Australien trocknen Drogensüchtige die Haut der Aga-Kröte und kochen daraus Tee.

Kröten sind Kannibalen

In Australien belagern mehr als ein Kilogramm schwere Aga-Kröten manchmal regelrecht die Häuser der Menschen. Die bis zu 22 Zentimeter langen Tiere paddeln in Swimmingpools, machen es sich auf den Terrassen gemütlich und fressen Hunden und Katzen das Futter weg. Gibt es kein Hundefutter, vertilgen die Fressmaschinen Mäuse, Vögel und sogar andere Aga-Kröten.

Kröten gehen in die Sauna

Um den tödlichen Chytridpilz zu bekämpfen, der Kröten und andere Amphibien fast überall auf der Welt tötet, haben australische Forscher den Tieren Minisaunen aus Ziegelsteinen gebaut. Der Pilz stirbt bei Temperaturen über 28 Grad Celsius, viele Kröten und Frösche lieben es dagegen warm. Tatsächlich nutzten die Amphibien das Sauna-Angebot eifrig und kurierten sich damit von der Pilzinfektion.

Kröten können Erdbeben vorhersagen

Zu diesem Ergebnis kamen britische Biologinnen und Biologen, die eigentlich das Fortpflanzungsverhalten der Amphibien an einem See in der Nähe der italienischen Stadt L’Aquila untersuchen wollten. Mitten in der Paarungszeit verschwanden plötzlich über Nacht mehr als 90 Prozent der Tiere, obwohl sie noch gar keinen Nachwuchs gezeugt hatten. Fünf Tage später erschütterte ein schweres Erdbeben die Region. Die Forscher mutmaßen, dass die Amphibien Schwankungen im Magnetfeld der Erde wahrgenommen und sich in Sicherheit gebracht haben.

Kröten platzen

Auf den ersten Blick scheinen die Tempolimits zu Zeiten der Krötenwanderung unsinnig zu sein. Schließlich scheint es egal, ob eine Kröte mit einer Geschwindigkeit von 30, 50 oder 70 Kilometern pro Stunde überfahren wird. Der Grund dafür, dass Naturschutzverbände wie der Nabu trotzdem Tempo 30 empfehlen: Höhere Geschwindigkeiten des Autos erzeugen einen Luftdruck, der die Lunge und andere inneren Organe der Kröten platzen lässt. Deshalb werden auch Tiere getötet, die am Straßenrand sitzen oder unter das Auto, aber nicht unter die Reifen geraten.

Krötenzauber

Im Mittelalter galten Erdkröten als Schattenwesen und waren als Zutaten von Zaubertränken und Hexensalben beliebt. Außerdem hatten sie den Ruf als hässlichstes Tier der Welt – vermutlich wegen ihres warzigen, plumpen Körpers. Dabei haben Erdkröten wunderschöne kupferfarbene Augen.

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