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Verhaltensbiologie:Ins Gesicht geschrieben

Gesunde und kranke Menschen

Die Illustration zeigt die übereinandergelegten Porträts der Versuchsteilnehmer, die einmal mit Placebo (links) oder mit Bruchstücken von E.-coli-Bakterien (rechts) behandelt wurden. Die Bilder wurden zwei Stunden nach der Injektion aufgenommen.

(Foto: Artin Arshamian/dpa)

Erkennen Menschen, ob eine fremde Person krank ist? Um das herauszufinden, haben Forschende Versuchsteilnehmer absichtlich infiziert. Und gezeigt: Ein Blick genügt.

Von dpa

Menschen können am Gesicht von Erkrankten ablesen, dass diese nicht gesund sind. Auch Völker, die westliche Gesichter kaum oder gar nicht kennen, können mit großer Sicherheit kranke Westeuropäer identifizieren. Zu diesem Schluss kommt eine in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B veröffentlichte Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm.

Es ist bekannt, dass Säugetiere die Fähigkeit besitzen, kranke Artgenossen zu erkennen. Das ist entscheidend, um Ansteckungen zu verringern und die eigenen Überlebenschancen zu erhöhen. Ein internationales Forscherteam um Artin Arshamian hat sich nun angeschaut, inwieweit Menschen das auch können, und vor allem, ob sie dies auch bei Erkrankungen von Personen aus anderen Kulturkreisen können, mit denen sie bisher kaum oder keinen Kontakt hatten. Letztlich haben sie damit untersucht, ob die Fähigkeit zur Erkennung von Kranken eine universelle menschliche Eigenschaft ist.

Für ihre Studie injizierten die Forschenden ihre Probanden unangenehme Darmbakterien

Forschende des Instituts injizierten den 13 Testpersonen für diese Untersuchung entweder eine Placebo-Substanz oder Bruchstücke von E.-coli-Bakterien, gegen die das menschliche Immunsystem mit Abwehrmaßnahmen und Symptomen wie Müdigkeit und Kopfschmerzen reagiert. Zwei Stunden später wurden die Gesichter der Teilnehmenden fotografiert. Zu diesem Zeitpunkt seien die Beschwerden noch nicht vollständig entwickelt gewesen, schreiben die Forscher. Körpertemperatur und Atemfrequenz hätten etwa vier Stunden nach der Injektion ihr Maximum erreicht. Diese Aufnahmen wurden schließlich anderen Teilnehmern aus Schweden sowie Menschen aus fünf anderen Bevölkerungsgruppen in aller Welt vorgelegt. Sie sollten angeben, hinter welchen der Gesichter sich kranke und hinter welchen gesunde Menschen verbargen.

Bei drei Gruppen handelte es sich um kleine Jäger-Sammler-Völker aus Thailand, Malaysia und Mexiko. Sie leben demnach in Regenwäldern und der Wüste, Zugang zu Fernsehen oder Internet haben sie kaum oder gar nicht. Die weiteren Teilnehmer waren Stadtbewohner aus Thailand und Mexiko.

Alle Gruppen konnten eine kranke Person mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit identifizieren. Dennoch ist das Versuchsergebnis überraschend, wie Arshamian erklärt. Man habe angenommen, dass diejenigen, die an westeuropäische Gesichter stärker gewöhnt waren, einen Vorteil gegenüber den anderen Gruppen hätten. "Aber das ist überhaupt nicht der Fall gewesen", sagt Arshamian. Die schwedische Testgruppe habe nicht besser abgeschnitten als die anderen Gruppen.

In weiteren Projekten wollen die Wissenschaftler nun unter anderem untersuchen, ob Kranke und Gesunde auch anhand ihrer Bewegungen unterschieden werden können.

© SZ/dpa/hach
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