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Krank durch Lärm:Ran an den Lärm

Mittel gegen den Lärm gibt es, aber die meisten eint ein Nachteil: Sie kosten viel Geld. Kommunen könnten den sogenannten Flüsterasphalt verlegen, doch der erfordert deutlich mehr Investitionen als gewöhnlicher Asphalt - und muss zudem aufwendig gepflegt werden, sonst setzen sich die Poren zu, die ihn so leise machen.

Auch gibt es Güterzüge, die nicht lauter sind als ein ICE. Nur würde damit der Güterverkehr so teuer, dass ihn keiner mehr nutzen würde. Die Alternative wären mehr Lastwagen.

Lärmgeplagte Menschen

Immerhin ist das Thema in der Politik angekommen. "Die Akzeptanz für einen weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur", so schrieben Union und FDP in ihren Koalitionsvertrag, "hängt entscheidend davon ab, dass die Lärmbelastung der Bevölkerung reduziert wird."

Die Vorgängerkoalition hatte noch in den letzten Regierungstagen ein "nationales Verkehrslärmschutzpaket" aufgelegt, mit konkreten Zielen für jeden Verkehrsträger. "An den Lärm müssen wir ran", sagt nun auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). "Auf der Straße wollen wir die Werte, die eine Lärmsanierung auslösen, um drei Dezibel reduzieren", sagt Ramsauer.

An Schienenstrecken sei das Ziel 50 Prozent weniger Lärmbelästigung in den nächsten zehn Jahren. "Wir stecken da viel Geld rein", sagt Ramsauer - den täglich Briefe von lärmgeplagten Bürgern erreichen.

Doch viele Bürger haben die Hoffnung fast aufgegeben. "Es sieht nach wie vor nicht so aus, als würde der Lärmschutz zu einem großen Politikfeld", sagt Gerd Lottsiepen, Verkehrsexperte beim umweltorientierten Verkehrsclub Deutschland. Auch viele Bürgerinitiativen hält allein der Ärger über den Lärm am Leben, weniger ein absehbarer Erfolg.

Er frage sich, schreibt verärgert der Sprecher einer Anti-Lkw-Initiative im oberbayrischen Eching, "weshalb so viele Damen und Herren Politiker den Karren oft nur dank mühsamer Abstramplungen einer engagierten Bürgerschaft sinnfällig in Bewegung zu bringen vermögen".

Wenn überhaupt. Im vorigen Herbst trat die Kommission für die Festlegung einer Lärmnorm für Autos in Genf zusammen. Doch statt die globale Norm zu verschärfen, hätte das Gremium sie beinahe abgeschwächt. Sportwagenhersteller hatten die Sorge geäußert, ihr Absatz könnte einbrechen; schließlich hatten die Soundingenieure lang am Turboklang gefeilt. Manche Käufer legen darauf Wert - solange sie selbst am Steuer sitzen.

© SZ vom 30.12.2009/gal
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