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Kosmischer Comic:Surfen auf der Ursuppe

Wo findet man die perfekte Welle noch vor allen anderen? Astrophysiker haben darauf eine kuriose Antwort: im frühen Universum. Ein kosmischer Comic zeigt die Hot-Spots des Alls.

Berit Uhlmann

16 Bilder

Cosmic: Riding early waves von Jojo Enßlin und Torsten Enßlin

Quelle: SZ

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Wo findet ein Surfer die perfekte Welle noch vor allen anderen? Kosmologen haben darauf eine kuriose Antwort: im frühen Universum. Ein kosmischer Comic des Max-Planck-Instituts für Astrophysik in Garching bei München zeigt, wie das Surfen auf der Ursuppe aussehen könnte. Hier sehen Sie Ausschitte aus dem "Cosmic: Riding early waves".

Alle Grafiken: Jojo Enßlin (Texte: sueddeutsche.de)

Cosmic: Riding early waves von Jojo Enßlin und Torsten Enßlin

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Es ist das Jahr 13,8 Milliarden nach Urknall, auch bekannt als das 21. Jahrhundert nach Christus: Mark ist ein passionierter Surfer und wünscht sich nichts anderes, als einmal der Erste auf einer Welle zu sein. Enzo, der Kosmologe und Bücherwurm, bemerkt dazu, er kenne die ersten Wellen aller Zeiten ...

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... nämlich die des frühen Universums.

(Im Bild der kosmische Mikrowellenhintergrund, der das Echo des Urknalls abbildet).

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Enzo ahnt nicht, dass sich Mark sofort in die Zeitreise stürzt. Bange ...

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... springt ihm Enzo hinterher. Allerdings nicht ohne sein Lehrbuch.

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Sie landen im Jahre 5000 nach Urknall. Prosaisch gesehen wäre ihre Reise sofort zu Ende. Sie stürben entweder den Hitzetod, denn es ist zu dieser Zeit rund 60.000 Grad Celsius heiß, würden zerplatzen, da der Luftdruck im All viel geringer ist als der in ihren Lungen, oder schließlich ersticken, weil Sauerstoff zu dieser Zeit noch gar nicht existierte.

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Unbeeindruckt davon stört Mark und Enzo jedoch eher die schlechte Sicht. Nachdem das Feuerwerk des Urknalls vorbei ist, bleibt das Universum als fader Nebel zurück. Elektronen schwirren frei duch den Raum und haben keine andere Beschäftigung, als Ping-Pong mit den Lichtteilchen (Photonen) zu spielen. Das Licht wird damit permanent gestreut, bis zur extremen Eintönigkeit.

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Und das Schlimmste für Mark: weit und breit keine Wellen. Enzo korrigiert ihn. Es gibt durchaus so etwas wie Wellen. Auf 100 Meter hat es das Gas des Alls immerhin einen Millimeter zusammengeschoben. Ist das - um mit Mark zu sprechen - "ja nix"?

Nein, das ist alles! Denn diese winzigen Materieverdichtungen, die rund 5000 Jahre nach dem Urknall beginnen, bilden die Saat aller heutigen Galaxien, Sterne und Planeten.

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Als Zeitreisender hat man selbstredend Kontrastbrillen im Gepäck und mit diesen erkennen dann auch Mark und Enzo den Reiz dieser kleinen Materieverdichtungen.

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Sie sind eigentlich ganz anziehend - und das im Wortsinn. Die Schwerkraft ...

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... saugt Enzo in eine dieser Verdichtungen hinein.

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Zum Glück fliegen mit ihm jede Menge Lichtteilchen heinein, die einen so hohen Druck haben (Man merke: Wie den Luftdruck, gibt es auch einen Lichtdruck.), dass sie Enzo sofort wieder herauskatapultieren.

So wie Enzo schwappte auch Gas in die Verdichtungen rein und wieder hinaus. In diesem Rhythmus wogte es rund 380.000 Jahre lang vor sich. Bis sich das Universum drastisch veränderte.

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Mark drängt zur Eile. Der Wendepunkt 380.000 Jahre nach dem Urknall ist fast erreicht. Zu dieser Zeit hat sich das All soweit abgekühlt, dass sich Elektronen mit Protonen verbinden und Wasserstoff bilden, das häufigste Element des Universums. Die gebundenen Elektronen spielen nun nicht mehr Ping-Pong mit den Lichtteilchen: Das Licht startet damit durch und ...

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... fliegt frei durch den Raum - bis heute. Und wer ihm im Weg ist, wie Mark und Enzo, hinterlässt einen Schatten - für alle Zeiten.

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Zurück in der Gegenwart: Hochempfindliche Teleskope wie der kürzlich gestartete Planck-Satellit (links im Bild) können dieses Licht aus dem Jahr 380.000 nach Urknall auffangen, kartographieren und darin jene winzigen Wellen erkennen, auf denen schon Mark und Enzo surften, und die den Ausgangspunkt aller Objekte des Weltalls bildeten. Und wer weiß, vielleicht ...

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... halten die Himmelskarten ja noch die eine oder andere Überraschung bereit.

Der Comic wurde von Torsten Enßlin und seinem Bruder Jojo Enßlin entwickelt. Torsten Enßlin ist Kosmologe am Max-Planck-Institut für Astrophysik und Leiter der deutschen Beteiligung an der Planck-Satellitenmission. Jojo Enßlin ist freischaffender Grafiker im Düsseldorf und Wellenreiter. Der gesamte animierte und interaktive Comic kann unter http://www.mpa-garching.mpg.de/mpa/institute/news_archives/news_cosmic_01/news_cosmic_01-en.html gesehen werden.

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