Korallensterben Kohlebergbau und Klimawandel bedrohen das Riff

Nun reagiert die Politik, wenn auch nur halbherzig. Die Australier wählen in vier Wochen ein neues Parlament. "Es müssen Riff-Wahlen werden", fordert Tim Flannery, der bekannteste Ökologe des Landes. Der liberale Premierminister Malcolm Turnbull stellte umgerechnet 110 Millionen Euro zur Rettung des Riffs ins Budget. Der sozialdemokratische Oppositionsführer Bill Shorten bestieg ein Glasbodenboot und versprach vor ausgebleichter Riff-Kulisse, nach einem Wahlsieg eine weitere Viertelmilliarde Euro draufzulegen.

Das Geld soll dazu dienen, den Zufluss schädlicher Sedimente, Pestizide und Nitrate aus den Küstenstrichen des Bundesstaats Queensland ins Korallenmeer zu verringern. Das hatte Australien in einem Nachhaltigkeitsplan 2050 zugesagt, um zu verhindern, dass die Unesco das Welterbe für gefährdet erklärt. Nur: Um die Planziele zu erreichen, wären bis 2025 nach Expertenrechnung zehn Milliarden Euro nötig - nur für eine bessere Wasserqualität.

Korallen Wie Forscher zerstörte Riffe retten wollen
Bedrohte Korallenriffe

Wie Forscher zerstörte Riffe retten wollen

Vor der Karibikinsel Curaçao züchten Wissenschaftler Korallen aus dem Labor - und feiern einen Erfolg.   Von Tina Baier

Doch die eigentliche Gefahr für die Korallen liegt im Klimawandel - und das eindrücklichste Symbol dafür gut 300 Kilometer weiter im Landesinneren. Bund und Land genehmigen dort eines der größten Kohlebergwerke der Welt. 60 Millionen Tonnen Kohle jährlich will der indische Rohstoff-Gigant Adani aus dem trockenen Boden des Outback holen, um den Energiehunger Asiens zu stillen. Wird diese Kohle verbrannt, so hat die Umweltorganisation Greenpeace ausgerechnet, entsteht dabei doppelt so viel klimaerwärmendes Kohlendioxid, wie Österreich im Jahr produziert. Um die Kohle zu exportieren, sollen Häfen mitten im Meerespark ausgebaut werden.

Der Aushub immerhin darf nun nicht mehr, wie ursprünglich geplant, am geschützten Riff ins Meer gekippt werden. Und womöglich, so hoffen Umweltschützer, könnte der Verfall des Kohlepreises auf den Weltmärkten das Projekt noch verhindern. Premier Turnbull hält sich bedeckt. Er steckt im Dilemma: Als Oppositionsführer hielt der Ex-Umweltminister die Pläne der damaligen Labor-Regierung, Klimasteuern und Emissionshandel einzuführen, für gar nicht schlecht - prompt setzten ihn Bergbaulobby und Klimaskeptiker in der eigenen Partei ab. Sein Nachfolger Tony Abbott schaffte die Kohlesteuer nach gewonnener Wahl ab, und auch nachdem Turnbull wiederum Abbott gestürzt hat, bleibt eine solche Abgabe für den rechten Flügel seiner Fraktion ein Tabu, an das der Premier nicht zu rühren wagt. Für das Riff sind das keine guten Aussichten.

Wenn die Temperaturen weiter anstiegen, "werden die Riffe innerhalb von Jahrzehnten weg sein", mahnt der britische Naturfilmer David Attenborough. Der 90-Jährige hat soeben einen Film im Great Barrier Reef gedreht, wie schon 1957. Damals gab es hier noch doppelt so viele Korallen.

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