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Komet 67P:Rosettas Komet schmilzt

Auf Aufnahmen der Raumsonde Rosetta aus 30 Kilometer Entfernung zeigt Komet 67P bereits leichte Aktivität

(Foto: AP)

Der Komet "Tschuri", der von Raumsonde Rosetta umkreist wird, nähert sich der Sonne. Astronomen rechnen damit, dass seine Südseite Masse verlieren wird. Obwohl der Himmelskörper winzig ist, gibt es auf ihm sogar Jahreszeiten.

Der von dem europäischen Raumschiff Rosetta besuchte Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko wird in den kommenden Monaten eine kräftige Schlankheitskur durchmachen. Allerdings werde es eine sehr einseitige Gewichtsabnahme, prognostizieren Astrophysiker des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR.

Grund dafür ist, dass der Komet auf seiner aktuellen Bahn um die Sonne einseitig beschienen wird. Unter dem Einfluss der Sonne verdunstet gefrorenes Wasser von der Oberfläche und reißt Staub mit sich. Daher dürfte der Komet auf seiner Südseite mehrere Meter Substanz verlieren. Das ist kein vernachlässigbarer Schwund, denn der Komet, oft 67P oder "Tschuri" abgekürzt, ist insgesamt nur rund vier Kilometer breit. Die Nordseite ist von diesem Effekt kaum betroffen. Astronomen sprechen auch bei einem so kleinen Himmelskörper von "Jahreszeiten", wenn sie Phasen unterschiedlicher Einstrahlung meinen.

Aufgrund des starken Neigungswinkels zur Sonne (52 Grad), seiner Form und der stark elliptischen Umlaufbahn erlebt 67P eine ungleiche Verteilung von Sommer- und Wintermonaten. Der Sommer auf der Nordseite vollzieht sich, während der Komet fern der Sonne ist und dauert 5,6 Jahre. Die Südhalbkugel hingegen durchlebt eine kurze, intensive warme Jahreszeit von etwa zehn Monaten. Von Mai an werden Sonnenstrahlen den Süden wieder bescheinen. "Wir erwarten, dass dann die Erosion dort deutlich zunehmen wird", sagt Holger Sierks vom Max-Planck-Institut.

"Die Südhalbkugel könnte während ihres kurzen, aber intensiven Sommers eine Schicht von bis zu 20 Metern Dicke verlieren", sagt der Astrophysiker Stefano Mottola vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.