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Körperphysik:"Menschen sind sehr effektive Beißer"

Der menschliche Kiefer gilt im Vergleich zu dem von Menschenaffen oder Frühmenschen als schwach. Doch das ist ein Irrtum, sagen australische Wissenschaftler.

Bis jetzt war die einschlägige Meinung: Der moderne Homo sapiens kann nicht sehr fest zubeißen. Schließlich hat sich seine Kaumuskulatur im Laufe der Zeit immer mehr zurückgebildet und an eher weiche Nahrung angepasst, die er mit dem Besteck in mundgerechte Happen zerteilt.

Menschlicher Kiefer

Der moderne Mensch (r.) kann stärker zubeißen als alle anderen Menschenaffen - und genauso fest wie einige seiner ausgestorbenen Verwandten wie "Australopithecus africanus" (l.) und "Paranthropus boisei" (m.).

(Foto: University of New South Wales)

Dagegen galten die kräftige Kaumuskulatur und die robuste Schädelarchitektur von Menschenaffen und frühen Hominiden bis jetzt als Indiz für eine hohe Beißkraft. Wie ein australisches Forschungsteam der Universitäten New South Wales und Newcastle in der Fachzeitschrift Proceedings oft the Royal Society B berichtet, ist diese Annahme jedoch falsch.

Mit Hilfe von 3-D-Modellen verglichen die Wissenschaftler Schädel und Kiefer des Menschen mit denen von Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans sowie des Australopithecus africanus und des "Nussknacker-Menschen" Paranthropus boisei.

Stephen Wroe und seine Kollegen simulierten mit den Modellen den Biss auf einen harten Gegenstand. "Wenn wir im hinteren Teil unseres Kiefers senkrecht abbeißen, dann ist unser Biss ungefähr 40 bis 50 Prozent effektiver als der aller Menschenaffen", erklärt Wroe.

Das Beiß-Duell mit unseren ausgestorbenen Verwandten geht dagegen unentschieden aus: Wir haben ungefähr die gleiche Beißkraft wie der Australopithecus africanus und der Nussknackermensch mit seinem gigantischen Kiefer.

"Die Größe macht etwas aus, aber Effizienz ist noch wichtiger - und Menschen sind sehr effektive Beißer", sagt Wroe.

Diese Effektivität hat der Mensch seinem langen Unterkiefer zu verdanken, mit dem er eine größere Hebelwirkung auf die Nahrung ausüben kann.