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Klimawandel:Die Stare sind schon da

Klimawandel treibt Vogelschützern Sorgenfalten auf die Stirn

Manche Vogelarten fliegen aufgrund der milderen Winter gleich gar nicht mehr weg aus Deutschland.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Ein bis zwei Wochen früher als üblich kommen Zugvögel zurück nach Deutschland.
  • Durch frühes Losfliegen haben die Vögel bessere Chancen, Brutplätze zu finden.
  • Der Klimawandel sorgt dafür, dass viele Vogelarten kürzere Strecken zurücklegen, um zu überwintern.

Von Tina Baier

Der europaweit milde Winter hat offenbar zur Folge, dass viele Zugvögel früher als sonst nach Deutschland zurückkehren. Stare beispielsweise, die im Mittelmeerraum überwintern, sind schon seit gut einer Woche wieder zu beobachten. Auch Kiebitze und Feldlerchen sind bereits da. "Diese Arten sind teils ein bis zwei Wochen eher dran als letztes Jahr", sagt Thomas Rödl, Ornithologe beim Landesbund für Vogelschutz. Die meisten Zugvögel kommen im März nach Deutschland zurück.

Bei den Frührückkehrern, die jetzt schon zu beobachten sind, handelt es sich meist um Kurzstreckenzieher, deren Winterquartier nicht weiter als 2000 Kilometer entfernt liegt. "Wie genau sie die Entscheidung treffen, loszufliegen, ist noch nicht bekannt, aber wahrscheinlich spielen Temperatur und Nahrungsangebot eine Rolle", sagt Rödl. Wenn die Tiere feststellen, dass ihre Entscheidung falsch war, etwa weil sie auf eine Kaltfront stoßen, unterbrechen sie ihre Reise und warten ab.

Langstreckenzieher haben größere Schwierigkeiten, sich an den Klimawandel anzupassen

Ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen lohnt sich, denn frühzeitig in den Brutgebieten anzukommen hat viele Vorteile. Unter anderem können sich solche Tiere die besten Brutplätze aussuchen, ihr Nachwuchs hat dadurch bessere Überlebenschancen. Klassisches Beispiel sind Trauerschnäpper und Meisen, die um dieselben Nistplätze konkurrieren. Wenn die Trauerschnäpper im April aus ihrem Winterquartier in Afrika nach Deutschland zurückkommen, sind oft schon alle Baumhöhlen und Nistkästen von Meisen besetzt, die zum Teil sogar in Deutschland überwintern. Manche Vogelschützer kleben deshalb die Einfluglöcher einiger Nistkästen im Februar und März zu, um den Trauerschnäppern sozusagen eine Wohnung freizuhalten.

Während Kurzstreckenzieher in ihrer Entscheidung, wann sie in ihre Brutgebiete zurückfliegen, flexibel sind, läuft bei vielen Langstreckenziehern ein genetisch festgelegtes Programm ab, das darüber bestimmt, wann die Vögel aufbrechen. Mauersegler etwa, die in Afrika überwintern, kommen jedes Jahr fast auf den Tag genau am 1. Mai in Deutschland an. "Der Unterschied von Jahr zu Jahr macht höchstens drei oder vier Tage aus", sagt Rödl. Solche Tiere haben größere Schwierigkeiten, sich an den Klimawandel anzupassen und könnten zunehmend ins Hintertreffen geraten, sagt Rödl.

Weltweit beobachten Ornithologen, dass Kurz- und Mittelstreckenzieher aufgrund des Klimawandels ihre Reisedistanz verkürzen und weniger weit in den Süden vorstoßen. Immer mehr Weißstörche aus Mitteleuropa beispielsweise überwintern neuerdings in Spanien, statt wie früher bis in die Sahelzone zu fliegen. Andere Arten wie der Hausrotschwanz oder das Rotkehlchen fliegen aufgrund der milderen Winter gar nicht mehr weg, sondern bleiben gleich in Deutschland.

© SZ vom 21.02.2020

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