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Klimawandel:Paris kann ein Erfolg werden

Kürzlich erst legte auch die Bundesregierung ihre Marschroute für die Verhandlungen fest - und verlangte darin, wirtschaftliche Entwicklung müsse künftig "innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen der Erde erfolgen". Vor allem aufstrebende Schwellenländer jedoch tun sich mit derlei "Belastungsgrenzen" schwer - nachdem die Industriestaaten jahrzehntelang diese Grenzen ignoriert haben.

Weniger CO₂

Nach zwei Jahren steigender Kohlendioxid-Emissionen sind sie in diesem Jahr hierzulande erstmals wieder gesunken. Nach vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen gingen die energiebedingten Emissionen in Deutschland 2014 um rund fünf Prozent zurück. Hauptgrund war allerdings die milde Witterung. Rechne man die heraus, liege das Minus bei einem Prozent. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach am Montag dennoch von einer Trendwende. "Ein Teil dieses Rückgangs ist endlich wieder echten Fortschritten im Klimaschutz zu verdanken", sagte sie. Der Klimaschutz komme "wieder in die richtige Richtung".

Darauf deuten auch Zahlen hin, die der Stromverband BDEW am Montag vorlegte. Demnach waren erneuerbare Energien 2014 zum ersten Mal die wichtigste Stromquelle der Bundesrepublik. Mit einem Anteil von 25,8 Prozent an der Stromerzeugung lagen sie knapp vor der Braunkohle, die auf 25,6 Prozent kam. Sie gilt als besonders klimaschädlich. Erstmals seit 2009 ging die Strommenge aus Braunkohlekraftwerken leicht zurück. Auch der Stromverbrauch der Deutschen sank 2014, er lag um rund vier Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Michael Bauchmüller

Schon in den 13 bisherigen Verhandlungsrunden ging es letztlich immer auch um die Verteilung von Wohlstand, Rechten und Pflichten. "Wenn 2015 nicht mehr als hochfliegende Rhetorik produziert, ohne praktische Strategien oder Verantwortlichkeit, wird man das mit Recht als heiße Luft abtun können", warnte unlängst ein Zirkel bedeutender Berater Ban Ki Moons, darunter auch Ex-Bundespräsident Horst Köhler.

Dasselbe Schicksal droht dem Klimavertrag. Auch hier mangelt es nicht an gründlicher Vorbereitung, anders als das beim gescheiterten Gipfel in Kopenhagen der Fall war. Seit der Klimakonferenz in Lima existiert sogar ein Grobentwurf für das künftige Klimaabkommen, er ist 37 Seiten lang. Darin finden die Verhandler Textbausteine, aus denen sie den Vertrag bis zur Nacht des 12. Dezembers 2015 zusammensetzen können. Allerdings findet sich in diesem Baukasten alles und nichts: Es wimmelt nur so von Optionen, die mal eine echte Kehrtwende weg von fossilen Energien einleiten würden, mal aber nur folgenlose Bekenntnisse zu mehr Klimaschutz sind.

Ende März sollen Staaten Pläne veröffentlichen

Aufbruch und völlige Niederlage wohnen im Entscheidungsjahr 2015 Tür an Tür. "Die ernst zu nehmenden Folgen, die ein Scheitern dieses Unterfangens mit sich bringen würde, zeigt die Wissenschaft immer deutlicher auf", warnt PIK-Chef Schellnhuber. "Vom Meeresspiegelanstieg über Wetterextreme, Ernteausfälle, die Störung von Ökosystemen bis hin zum Potenzial für soziale Unruhen."

Schon Ende März kann sich zeigen, wie viel die Staaten zu tun bereit sind; bis dahin sollen sie eigene Klimaschutzpläne veröffentlichen. "Paris kann ein Erfolg werden, wenn alle Staaten jetzt ihre Hausaufgaben machen und jeweils ihre nationalen Pläne vorlegen", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Der Klimaschutz werde "eine der großen Herausforderungen im neuen Jahr".

Merkel könnte beim Klimaschutz Profil gewinnen

Ausgerechnet Angela Merkel könnte eine Schlüsselrolle zufallen. Anfang Juni, wenige Monate vor den entscheidenden Gipfeln, lädt die Kanzlerin zum G-7-Gipfel nach Oberbayern. Auf der Tagesordnung der wichtigsten Industriestaaten stehen Klima und "Post-2015" ganz oben. "Deutschland kann diesen Gipfel nutzen, um im Kreis der Industriestaaten ganz wichtige Pflöcke einzurammen", sagt Christoph Bals, Klimaexperte bei Germanwatch. Merkel könne beim Klimaschutz endlich wieder Profil gewinnen - wie 2007, beim Gipfel in Heiligendamm. Auch der Meeresumweltschutz soll viel Raum bekommen. "Wir werden dafür sorgen, dass das Thema zu einem zentralen politischen Anliegen wird", sagt Umweltministerin Hendricks.

Allerdings rennt den Staaten gerade bei Umweltfragen die Zeit davon. Während es bei Millenniumszielen wie dem Kampf gegen extreme Armut oder beim Zugang zu sauberem Trinkwasser messbare Fortschritte gibt, tut sich bei Umwelt- und Klimaschutz so gut wie nichts. Die Versauerung der Ozeane schreitet ebenso voran wie der Verlust von Tier- und Pflanzenarten. Bei den Treibhausgasen führt der aktuelle Trend nahtlos in eine Welt, die im Schnitt um vier Grad wärmer ist als vor Beginn der Industrialisierung. Noch freilich lässt sich dieser Trend ändern: in einer Nacht in Paris, im Dezember 2015.

© SZ vom 30.12.2014/mahu
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