Klimawandel 2010 - ein Jahr der Rekorde

Während Deutschland im Schnee versinkt, veröffentlicht die UN-Wetterorganisation WMO dramatische Zahlen über die weltweit zunehmende Hitze: "Und wenn nichts getan wird, werden die Temperaturen steigen und steigen", warnt WMO-Generalsekretär Michel Jarraud.

Angesichts des drastischen Wintereinbruchs in Deutschland ist es für viele Menschen vermutlich eine Überraschung - doch das Jahr 2010 ist auf dem besten Wege, weltweit eines der wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen 1850 zu werden.

Nach Einschätzung der WMO-Experten werden extreme Hitzewellen in den Sommermonaten in Zukunft immer wahrscheinlicher.

(Foto: AP)

Bislang sei dieses Jahr etwas wärmer als die bisherigen Spitzenreiter 1998 und 2005, berichtet die Wetterorganisation der Vereinten Nationen, die WMO, auf dem UN-Klimagipfel im mexikanischen Cancún. Ausschlaggebend sei nun der Dezember.

Der WMO zufolge wurden bis Oktober/November wahrscheinlich noch nie höhere Temperaturen gemessen. Die Durchschnittstemperatur lag nach Angaben der WMO um 0,46 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1961-1990.

Darüber hinaus sei es "fast sicher, dass 2010 unter den drei wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen ist", sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud am Rande der UN-Klimakonferenz in Cancún.

In Deutschland und einigen anderen eng begrenzten Regionen sei das Jahr 2010 jedoch relativ kühl gewesen, vermerkt die WMO. Für einige Länder Europas wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich werde 2010 wahrscheinlich sogar das kälteste Jahr seit 1996. Das liege vor allem am vergangenen Winter mit seinen tiefen Temperaturen. Auch in Teilen Sibiriens, Südamerikas, Ostchinas und im Südosten der USA seien die Temperaturen relativ niedrig gewesen.

Jarraud, warnte jedoch davor, den derzeitigen Wintereinbruch in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas als Maßstab für die weltweite Entwicklung zu nehmen. Besonders in Afrika sowie Teilen Asien und der Arktis seien die Temperaturen hochgegangen. So sei in Pakistan der Rekordwert von 53,5 Grad Celsius gemessen worden.

"Das sind die Fakten"

Als Grund für die Erwärmung nannte Jarraud den Ausstoß von Treibhausgasen. "Das sind die Fakten und wenn nichts getan wird, werden die Temperaturen steigen und steigen." Jarraud äußerte die Hoffnung, dass die Daten die Staaten bei den Verhandlungen über ein neues Klimaabkommen anleiten würden. Sollte nichts getan werden, warnte Jarraud, werde die Temperaturkurve weiter steigen.

Nach Einschätzung der WMO-Experten werden in Zukunft extreme Hitzewellen in den Sommermonaten immer wahrscheinlicher. Sehr heiße Sommer wie in diesem Jahr in Russland oder im Jahrhundertsommer von 2003, als in Europa Tausende Menschen der extremen Hitze zum Opfer fielen, könnten bald zum Normalfall werden. Darauf deute die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte hin, sagte der Leiter des Klimaforschungszentrums der WMO, Ghassam Asrar, in Cancún. Auch die Stürme über dem Atlantischen Ozean werden seiner Einschätzung nach immer heftiger. In Zukunft gebe es weniger leichte Stürme und mehr starke Hurrikane.

Erst vor wenigen Tagen hatte der stellvertretende Generalsekretär der WMO, Jeremiah Lengoasa, gewarnt, "dass die wichtigsten Treibhausgase ihren höchsten Stand seit der vorindustriellen Zeit erreicht haben".

Bei der Vorstellung des entsprechenden Berichts hatte Generalsekretär Michel Jarraud erklärt, ohne die internationalen Bemühungen zur Eindämmung der Treibhausgase wären die Werte noch deutlich höher ausgefallen.

Den aktuellen Zahlen der WMO zufolge waren die Konzentrationen von Kohlendioxid und Methangas besonders hoch. Nach einer relativ stabilen Phase zwischen 1999 und 2006 stieg der Methangasausstoß zwischen 2007 und 2009 demnach wieder deutlich an. Die Erwärmung des Planeten könne in den arktischen Regionen zu einem weiteren Anstieg besonders der Methangasemissionen führen, warnte die WMO.

Derzeit ringen auf dem UN-Klimagipfel in Cancún mehr als 190 Staaten um den künftigen internationalen Klimaschutz. Beim Gipfel Ende vergangenen Jahres in Kopenhagen war es der internationalen Gemeinschaft nicht gelungen, sich auf den Rahmen eines neuen Klimaschutz-Abkommens zu einigen, welches das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen soll.