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Klimawandel:UN warnen vor drastischer Zunahme von CO2

Kraftwerk in China

Kraftwerk in der chinesischen Stadt Shanghai - die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nimmt weiter deutlich zu

(Foto: dpa)

Um den Klimawandel aufzuhalten, müssten die Kohlendioxid-Emissionen zurückgehen. Stattdessen nimmt die Konzentration des Treibhausgases weiter dramatisch zu, warnt die UN-Organisation für Meteorologie. Jetzt sei schnelles Handeln nötig.

Der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre setzt sich ungebremst fort. Im vergangenen Jahr seien so viele der klimaschädlichen Gase in der Luft gewesen wie nie zuvor, berichtet die UN-Organisation für Meteorologie ( WMO) in Genf. Die Warnung kommt eine Woche vor der Warschauer Klima-Konferenz, auf der ein neuer Weltklimavertrag vorbereitet werden soll.

Demnach ist die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre von 2011 bis 2012 um 2,2 ppm (parts per million, Moleküle pro Millionen Teilchen) auf 393,1 ppm gestiegen. Damit liegt die Zunahme in dieser Zeit höher als der Durchschnitt der Zunahme in den vergangenen zehn Jahren (2,02 ppm). Und insgesamt liegt die CO2-Konzentration nun 41 Prozent höher als in der vorindustriellen Zeit.

Die täglichen Messungen des Kohlendioxids hatten im Monat Mai den Wert von 400 ppm überschritten - vermutlich zum ersten Mal seit 25 Millionen Jahren. Im Jahresdurchschnitt würde die Konzentration diesen Punkt vermutlich 2015 oder 2016 erreichen.

Wissenschaftler hoffen, dass ein Temperaturanstieg um zwei Grad zu einem Klimawandel führen würde, dessen Folgen gerade noch beherrschbar sind. Dazu dürfte die CO2-Konzentration dem Weltklimarat IPCC zufolge den Wert von 450 ppm allerdings nicht überschreiten.

Es sei nun schnelles Handeln nötig, um den Anstieg der Temperaturen zu bremsen, sagte der Generalsekretär der Organisation, Michel Jarraud. "Jedes Jahr wird es schwieriger, das Problem in den Griff zu bekommen." Sollte nun nicht rasch gehandelt werden, dürften bereits Mitte des Jahrhunderts die Durchschnittstemperaturen um zwei Grad höher liegen als in der vorindustriellen Zeit.

Zu viel für das Zwei-Grad-Ziel

Gerade erst hatte auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gewarnt, dass die Emissionen deutlich über dem Wert liegen, der notwendig wäre, um das sogenannte Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Bis 2020 dürften dazu jährlich eigentlich nicht mehr als 44 Gigatonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. UNEP zufolge sind es allerdings 59 Gigatonnen, wenn keine weiteren Maßnahmen unternommen werden. Und selbst wenn alle Staaten ihre freiwilligen Zusagen einhalten würden, wären es immer noch 52 Gigatonnen.

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssen nach Einschätzung von Umweltschützern allein in Europa die Emissionen bis 2030 um 60 Prozent gekürzt werden - verglichen mit dem Wert , der 1990 erreicht wurde.

Derzeit strebt die Europäische Union an, den Ausstoß von Klimagasen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Es wird damit gerechnet, dass die EU-Kommission Anfang kommenden Jahres neue, schärfere Ziele für die Zeit bis 2030 vorlegt. Demnach könnte der Ausstoß von Treibhausgasen um bis zu 45 Prozent reduziert, zugleich der Anteil der erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind oder Sonne an der Stromerzeugung auf bis zu 35 Prozent angehoben werden.

Die damit verbundene geringere Luftverschmutzung würde sich EU-Kreisen zufolge finanziell auszahlen. Die Ausgaben im Gesundheitswesen in der Europäischen Union könnten um bis zu 35 Milliarden Euro jährlich sinken, wenn mehr veraltete Kohlekraftwerke mit gesundheitsschädlichen Abgasen abgeschaltet und durch klimafreundliche Kraftwerke ersetzt würden, sagten EU-Vertreter unter Berufung auf einen Entwurf der Kommission zu den Auswirkungen der möglichen neuen Klimaschutzziele.

Zugleich könne das Wachstum um 0,5 Prozent höher ausfallen, wenn weniger Importe von Gas oder Öl nötig seien. In der kommenden Woche wollen bei der jährlichen Weltklimakonferenz die Vertreter von mehr als 190 Staaten darüber sprechen, wie der Anstieg der Temperaturen doch noch gebremst werden kann. Nach Einschätzung der WMO drohen Engpässe bei Trinkwasser und ein Anstieg der Meeresspiegel, wenn sich die Atmosphäre und vor allem die Ozeane weiter aufheizen. Vor allem Schwellenländer wie China pochen auf Finanzhilfen der Industrieländer, um ihnen bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu helfen.