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Klimawandel:Umzug aufs Festland

(Foto: Diana Haecker/AP)

Die Bewohner eines Inseldorfs auf Alaska haben abgestimmt: Sie wollen weg. Es gibt immer weniger Meereis, weshalb die Wellen ihr Land wegfressen.

Von Esther Widmann

Shishmaref ist ein Dorf in Alaska, auf einer schmalen Insel nahe der Beringstraße, dort, wo sich Nordamerika und Sibirien bis auf 85 Kilometer nahekommen. Nur 600 Menschen wohnen dort, und die könnten nun zu einem Symbol werden. Die Bewohner haben in einer Abstimmung entschieden, auf das Festland zu ziehen. Aus Angst, dass ihre Insel ihnen unter den Füßen weggespült wird. Umweltschützer sehen in Shishmaref einen klaren Hinweis auf die Folgen des Klimawandels - und die dort wohnenden Menschen als Opfer einer menschengemachten Katastrophe. Seit Jahren beobachten die Einwohner von Shishmaref, von denen die meisten zur Inuit-Ethnie der Iñupiat gehören, wie Wind und Wasser an ihrem Dorf nagen. Das Meer in der Arktis friert mittlerweile erst Ende Dezember zu. Dadurch sind die Küsten der Erosion durch Wellen preisgegeben, mehrere Häuser sind bereits verloren. Hinzu kommt, dass mit steigendem Meeresspiegel auch Sturmfluten zunehmen. Bleiben ginge nur, wenn Mauern oder Deiche verstärkt würden. Lieber weg hier, sagt nun die Mehrheit der Bewohner. Bislang fehlen allerdings die geschätzten Umzugskosten von 180 Millionen Dollar.

© SZ vom 19.08.2016
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