Klimakrise:Meteorologen melden Rekordwerte in vier Bereichen

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Klimakrise: Eisberge vor Grönland: Auf der größten Insel der Erde wurde im vergangenen August eine massive Eisschmelze registriert.

Eisberge vor Grönland: Auf der größten Insel der Erde wurde im vergangenen August eine massive Eisschmelze registriert.

(Foto: Ulrik Pedersen via www.imago-images.de/imago images/NurPhoto)

Meeresspiegel, Treibhausgase, Hitze in den Ozeanen, Versauerung der Meere: Mehrere Klimawandel-Indikatoren sind laut UN-Bericht auf Rekordniveau. Zudem beobachten die Klimaforscher etliche Wetterextreme.

Von Christoph von Eichhorn

Vier Indikatoren für den Klimawandel haben laut der UN-Organisation für Meteorologie (WMO) im vergangenen Jahr neue Rekordwerte erreicht: Die Konzentrationen wichtiger Treibhausgase, die Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs, die Temperatur der Ozeane sowie die Ozeanversauerung. Laut dem "Klimazustandsbericht 2021" waren die vergangenen sieben Jahre außerdem die sieben wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die Ergebnisse zeigten klar, dass menschliche Aktivitäten zu planetenweiten Veränderungen führten, teilte die WMO am Mittwoch mit. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir ein weiteres wärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen sehen", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas.

Laut dem neuen Bericht lag die globale Durchschnittstemperatur im Jahr 2021 rund 1,11 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Das ist geringfügig kühler als in manchen Jahren zuvor, was laut den Klimaforschern vor allem dem Einfluss des Wetterphänomens La Niña geschuldet ist, das 2021 zu beobachten war. Dieses sorgt beispielsweise für trockene Bedingungen in Südamerika und mehr Regen in Australien, global betrachtet führt es zu geringfügig niedrigeren Temperaturen. Das bisher wärmste Jahr war 2016, mit einer mittleren Temperatur von 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Die Ozeane sind so versauert wie seit mindestens 26 000 Jahren nicht mehr

Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Klimawandel pausiert. Rund 90 Prozent der überschüssigen Hitze in der Atmosphäre nehmen die Ozeane auf, die sich auch 2021 weiter erwärmten. Der Wärmegehalt in den oberen 2000 Metern der Ozeane erreichte laut WMO im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand, der Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Wärmeres Wasser dehnt sich stärker aus als kaltes, daher steigt auch der Meeresspiegel weiter, mittlerweile mit einem Tempo von 4,5 Millimetern pro Jahr. Das ist doppelt so schnell wie in den 1990er-Jahren. In einzelnen Regionen wie dem südwestlichen Pazifik verläuft der Anstieg besonders schnell.

Auch das Tempo der Ozeanversauerung hat laut WMO einen neuen Rekord erreicht. Etwa 23 Prozent der vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen nehmen die Meere auf, dort reagiert das Kohlenstoffdioxid (CO₂) mit Wasser, was zur Versauerung führt. Laut neuestem Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC liegt der Säuregehalt der Ozeane so hoch wie seit mindestens 26 000 Jahren nicht mehr. Damit schwindet auch die Kapazität der Meere, weiteres CO₂ aufzunehmen.

Rekordstände erreichten zuletzt auch die Konzentrationen der wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas in der Atmosphäre. Die Zahlen aus dem WMO-Bericht hierzu stammen noch aus dem Jahr 2020. Allerdings deuten Echtzeitmessungen auf Hawaii darauf hin, dass sich der Trend auch 2021 fortgesetzt hat.

Der Klimazustandsbericht weist zudem auf etliche Extremwetterereignisse hin, die sich 2021 abspielten. So erlebte die Westküste Nordamerikas im Juni und Juli außergewöhnliche Hitzewellen. Im kanadischen Lytton wurden am 29. Juni 49,6 Grad Celsius gemessen, rund fünf Grad mehr als der bisherige kanadische Temperaturrekord. Einen Tag später zerstörte ein Waldbrand die Stadt weitgehend. Am 11. August wurde im sizilianischen Syrakus mit 48,8 Grad ein neuer europäischer Temperaturrekord aufgestellt. Eine Hitzewelle auf Grönland führte dort im August zu einer außergewöhnlichen Eisschmelze - zum ersten Mal seit Aufzeichnungsbeginn regnete es am höchsten Punkt des Eisschilds auf 3216 Metern Höhe.

Vergangene Woche hatte die WMO in einer Prognose gewarnt, dass die globale Durchschnittstemperatur bereits bis 2026 zumindest kurzzeitig bei mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen könnte. Auf diese Marke soll die Erderwärmung laut Pariser Vertrag im 21. Jahrhundert möglichst begrenzt werden. Die Wahrscheinlichkeit für ein erstmaliges Überspringen des Zielwerts innerhalb der kommenden fünf Jahre liegt laut WMO etwa bei 50 Prozent.

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