Klimawandel Schwefel gegen Treibhausgas

Die Erde hat sich im vergangenen Jahrzehnt nicht so stark erwärmt, wie es Rechenmodelle erwarten ließen. Das liegt zum großen Teil ausgerechnet an den Abgasen chinesischer Kohlekraftwerke.

Von Christopher Schrader

Die Abgase chinesischer Kohlekraftwerke sind zu einem guten Teil dafür verantwortlich, dass sich die Erde im vergangenen Jahrzehnt nicht so stark erwärmt hat, wie es Rechenmodelle erwarten ließen.

Kohlendioxid aus Chinas Schornsteinen hat den Treibhauseffekt gefördert, aber der Schwefel im Qualm hat das Sonnenlicht abgeschirmt.

(Foto: Reuters)

Einerseits hätten die Schornsteine Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, das den Treibhauseffekt fördert, erklären Klimaforscher aus Boston und dem finnischen Turku (PNAS, online). Andererseits seien mit dem Rauch große Mengen Schwefel in die Luft gelangt, die das Sonnenlicht abschirmten.

"Die menschlichen Aktivitäten, die den Planeten wärmen und kühlen, haben sich nach 1998 weitgehend aufgehoben", schreiben die Forscher, darum spielten natürliche Veränderungen eine dominante Rolle. In den Jahren zwischen 1998 und 2008 prägten sogenannte La-Niña-Perioden das Klima.

Dieses Wetterphänomen im Pazifik senkt die Durchschnittstemperaturen; das Gegenteil, der El Niño, wärmt den Planeten - dieser war stark ausgeprägt in den Wärme-Rekordjahren 1998 und 2010.

Wegen des chinesischen Wirtschaftsbooms hatte sich in den Jahren 2003 bis 2007 der Kohleverbrauch des Landes verdoppelt. Die Kraftwerke der Supermacht verfügten in jener Zeit aber kaum über geeignete Filteranlagen. Seitdem habe aber auch Chinas Führung erkannt, dass die Umweltbilanz verbessert werden müsse, erklärte der Erstautor der Studie, Robert Kaufmann von der Boston University, der Nachrichtenagentur AP.

Weil der Schwefel zu Boden sinkt, während das CO2 in der Luft bleibt, schwindet der ausgleichende Effekt. Die Autoren konnten darum die Abläufe des vergangenen Jahrzehnts erfolgreich im Computer simulieren. Sie liefern mit ihrer Studie ein Argument gegen Einwände von Klimaskeptikern; diese hatten behauptet, die globale Erwärmung sei beendet, weil nicht ein Rekordjahr das andere jagte.