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Klimawandel:Es gibt noch viel Forschungsbedarf

Der Ansatz, CO2 aus der Luft zu entfernen, ist bodenständiger, aber verspricht deshalb nicht mehr Erfolg. Vor allem geht es dabei um Pflanzen: Wenn man etwa im großen Stil aufforstete, könnten die wachsenden Wälder der Luft Kohlendioxid entziehen. Tatsächlich ist das auch schon im zweitehrgeizigsten der vier Szenarios vorgesehen, welche die IPCC-Forscher in ihren Modellen verwenden.

Allerdings funktioniert es nur, bis ein Gleichgewicht erreicht wäre, in dem genauso viel Biomasse nachwächst wie verrottet - dabei wird das gespeicherte Kohlendioxid wieder frei. Weitere Effekte wären dann nur zu erzielen, wenn die Waldflächen immer größer werden. Anders wäre es, wenn man alte Bäume nicht einfach zerfallen ließe, sondern zu Pflanzenkohle verarbeitet und im Boden vergräbt; aber große Mengen an Kohlenstoff lassen sich auf diese Weise auch nicht wegpacken.

Eine zweite Möglichkeit wäre, sehr viele energiehaltige Pflanzen anzubauen und das CO2, das beim Verbrennen frei wird, aufzufangen und unter der Erde zu verpressen - das ist im ehrgeizigsten IPCC-Szenario eingeplant. Aber auch das hat große Nachteile, denn wie bei der umstrittenen Abspaltung und Speicherung von Kohlenstoff CCS (Carbon Capture and Storage) muss das anfallende CO2 irgendwo sicher gelagert werden, wo es nicht entweichen kann. Darüber fehlen Erfahrungen.

Zudem gibt es beim Biomasse-Anbau ein ähnliches Problem wie bei der Aufforstung: Man braucht dafür riesige Landflächen, die nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen. Bleibt die Variante, Treibhausgase mit Spezialgeräten direkt aus der Luft zu filtern - aber bislang verbraucht das viel Energie und ist sehr teuer. Und all diesen CO2-Beseitigungstechniken ist gemein: Sie sind langsam. Insgesamt geht aus dem IPCC-Bericht hervor, dass es je nach Methode geschätzt mindestens 120 bis 400 Jahre dauern würde, bis auch nur das in den vergangenen 50 Jahren emittierte Kohlendioxid eingefangen wäre - ganz abgesehen davon, was derweil noch dazukommt.

Sogar Martin Heimann, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und einer der Autoren des Kapitels im IPCC-Bericht, in dem es um Klimaengineering geht, ist skeptisch. "Uns wurde aufgetragen, das zu beschreiben; aber die Meinung im Team war, dass es noch viel Forschungsbedarf gibt." Er hält die Ansätze noch nicht für die Lösung - und was das Aufforsten angehe, wäre es billiger, bestehende Wälder zu schützen.

Der Ökonom Gernot Klepper hat ähnliche Bedenken. Er könne noch damit leben, dass das Thema im Bericht stehe; schließlich gebe es Zigtausende Seiten Forschungsliteratur dazu, sagt er. "Aber wenn es so wirkt, als wäre Geoengineering ein Ersatz für die Vermeidung von CO2-Emissionen - das wäre politisch gefährlich."

© SZ vom 01.10.2013/mcs

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