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Klimawandel:Grünflächen für das Stadtklima

Ein entscheidender Faktor für das Stadtklima sind dabei Parks und anderen Grünflächen. "Wenn Bäume genug Wasser haben, sind sie sehr effektive Verdunster", sagt Heinke Schlünzen von der Universität Hamburg. "Ein Wald bringt viel mehr kalte Luft als ein See gleicher Fläche." Die Verdunstung bewirkt eine lokale Abkühlung und diese erzeugt Luftbewegung selbst an windarmen Tagen. Entscheidend sei das vor allem nachts, so die Meteorologin, damit der "solare Kachelofen Stadt", wo sich die Steine der Häuser tagsüber mit Sonnenwärme vollgesogen haben, schneller auskühlt.

Wenn Menschen bei Temperaturen über 20 Grad schlafen müssen, geht das auf die Dauer auf die Gesundheit", sagt Schlünzen. Grünzeug in Parks oder auf Dächern kann da helfen, aber es kommt auf die Verteilung an: Viele kleine lokale Grünflächen sind womöglich effektiver als der große, zentrale Stadtpark. "Die kühlende Wirkung reicht nur einige hundert Meter in die Wohnviertel hinein."

Aber auch auf die Hitze bei Tage müssten Stadtplaner achten, sagt Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Bis 2100 könnte zum Beispiel Berlin ein Klima wie Städte in Nordspanien bekommen, in Athen wäre es dann wie in Libyen. Es drohe deswegen ein Rückzug von Kindern, Alten und Kranken, die unter der Wärme leiden, aus dem öffentlichen Raum. Statt der Fußgängerzonen in den Innenstädten würden sie höchstens klimatisierte Shopping-Malls besuchen.

Viele Städte werden zudem über Wasser und Regen nachdenken müssen. Klimamodelle erwarten für die Zukunft eine Verlagerung der Niederschlagsmengen: Winter werden feuchter, Sommer trockener und Extremereignisse wie Starkregen oder - in Küstenstädten - Sturmfluten häufiger. Für Hamburg könnte das bedeuten, dass gegen Ende dieses Jahrhunderts im Winter an acht zusätzlichen Regen- und drei zusätzlichen Sturmtagen 40 Prozent mehr Wasser vom Himmel fällt, besagt der "Norddeutsche Klimaatlas".

Jörg Knieling, Umweltplaner von der privaten Hafencity-Universität in Hamburg, schließt daraus: "Die Stadt muss lernen, mit dem Wasser zu leben." Das ist leichter gesagt als getan, denn in der Hansestadt sitzt das Trauma der Sturmflut vom Februar 1962 tief, bei der mehr als 300 Menschen starben.

Doch schon beim Neubaugebiet Hafencity haben sich die Planer entschieden: Die Häuser stehen vor dem Deich. Sie sind teilweise auf Warften (künstlich aufgeschütteten Hügeln) errichtet oder haben unten nur ihre Garagen, die sich verbarrikadieren lassen und bei denen eine Überflutung keine gravierenden Schäden auslöst.

Weiter von Meer oder Fluss entfernt soll Regenwasser wieder mehr versickern können. Die Siele und Kanäle können die Mengen sonst in Zukunft nicht mehr aufnehmen, so dass vermehrt Abwasser aus den Gullys quillt und in Hausanschlüssen nach oben drückt. "Hamburg hat begonnen, dem entgegenzusteuern", sagt Heinke Schlünzen. "Es ist gut, dass es hier jetzt eine Gebühr für Regenwasser gibt, das in den Siel geleitet wird."