Süddeutsche Zeitung

Klimawandel in Deutschland:Regen im Westen, Durst in Sachsen

Der Klimawandel wirkt sich regional sehr unterschiedlich aus, meldet der Deutsche Wetterdienst - und bietet Klimaskeptikern die Stirn.

Der Klimawandel wirkt sich in Deutschland regional sehr unterschiedlich aus. So gibt es in Westdeutschland mehr Regen, in Sachsen sind die Niederschläge zurückgegangen, und im Saarland ist es am wärmsten geworden, meldet der Deutsche Wetterdienst.

Wie die Auswertung der Klimadaten der vergangenen Jahre zeigt, ist die Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland seit 1881 um 1,1 Grad gestiegen. Und das vergangene Jahrzehnt war auch weltweit das wärmste seit 130 Jahren.

Gerade im Westen sei es seit Beginn der Messungen vor 130 Jahren deutlich wärmer geworden als im Nordosten, erläuterte DWD-Experte Gerhard Müller-Westermeier. So stiegen die Temperaturen etwa im Saarland seit 1881 um knapp 1,4 Grad, in Mecklenburg-Vorpommern aber nur um 0,6 Grad.

Auffällige Differenzen gibt es dem DWD zufolge auch bei den Niederschlägen, die im Jahresdurchschnitt insgesamt um elf Prozent zunahmen, aber höchst ungleich verteilt waren.

So fiel in westlichen Ländern wie Bremen bis zu 17 Prozent mehr Regen, in den ostdeutschen Ländern gab es nur einstellige Zuwächse, in Sachsen hingegen einen Rückgang von vier Prozent. Im Sommer nahmen die Niederschläge dort im Mittel sogar um 14 Prozent ab.

Beim Deutschen Wetterdienst geht man davon aus, dass sich diese Trends noch verstärken werden. "Die Szenarien der Klimaforscher sind sich in einem einig: Wir werden künftig in Deutschland mit immer trockeneren Sommern und noch deutlich mehr Regen im Winter leben müssen", sagte Müller-Westermeier.

Auch ein Jahr oder mehrere ohne neue Wärmerekorde seien kein Beleg für ein Ende des Trends zu höheren Temperaturen, erklärte DWD-Präsident Wolfgang Kusch. "Wir müssen deshalb nach wie vor alle Kraft in die Verringerung der Treibhausgasemissionen stecken und uns heute schon auf die Folgen des Klimawandels einstellen."

Trotz aller berechtigten Kritik an einzelnen Aussagen des Weltklimarates IPCC dürfte die nach wie vor zutreffende wissenschaftliche Gesamtschau des Klimawandels nicht in Frage gestellt werden. "Die Bilanz des letzten IPCC-Berichts gilt unverändert: Wir müssen handeln!"

Die Kohlendioxid-Konzentrationen in der Atmosphäre stiegen ständig an, die globale Erwärmung setze sich fort, warnte Kusch. "Der Klimazug hat trotz seiner abwechslungsreichen Reise bedauerlicherweise nach wie vor ein klares Fahrtziel. Er fährt bergauf."

Weitreichende Folgen für die Landwirtschaft

Auch für die Landwirtschaft in Deutschland wird dies nach Ansicht der Experten weitreichende Folgen haben. Zwar bringen mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre und höhere Temperaturen Vorteile beim Wachstum und durch Mehrfachernten in Regionen mit guten Böden und genug Wasser.

Allerdings könne der Klimawandel zugleich regional auch zu geringeren Erträgen führen. So müsse vor allem in den ostdeutschen Bundesländern in der Wachstumsphase vieler Pflanzen mit Wasserknappheit gerechnet werden, sagte Paul Becker vom Bereich Klima und Umwelt des DWD.

Außerdem könnten mildere Winter dazu führen, dass der Bodenfrost nicht mehr so tief in die Böden eindringe, so dass die auflockernde Wirkung des Frostes verloren gehe. Das senke die Erträge.

"Die Wälder werden sich verändern"

Darüber hinaus erhöhten mildere Winter die Gefahr von Schädlingsbefall. Dies habe bereits der Winter 2006/2007 gezeigt, der als wärmster Winter seit 130 Jahren in die Geschichte einging und eine schwere Blattlausplage zur Folge hatte.

Eine Zunahme an Schädlingen wie Borkenkäfern und Pilzen werde auch für den deutschen Wald weitgehende Folgen haben. Man rechne damit, dass sich die Waldbesitzer gegen kritische Witterungseinflüsse und den Klimawandel schützen, indem sie Fichten durch robustere Douglasien und Roteichen sowie für Schädlinge besonders anfällig Monokulturen durch widerstandsfähigeren Mischwald ersetzen. "Wer Anblick unserer Wälder", so ihr Schluss, "wird sich in diesem Jahrhundert deutlich verändern."

Auch für Europa insgesamt rechnen die Experten mit regional sehr unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels. So können man "ziemlich sicher heute schon sagen, dass die nordeuropäische Landwirtschaft zu den Profiteuren des Klimawandels gehören wird. Der Temperaturanstieg wird dort die Anbaumöglichkeiten stark erweitern."

Anders sieht es für die südeuropäischen und vermutlich auch die südosteuropäischen Bauern aus. Sie werden mit weniger Niederschlägen auskommen müssen.

Temperaturanstieg um zwei bis vier Grad

Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnen die Klimaforscher mit einem weltweiten Temperaturanstieg um zwei bis vier Grad. Erst gestern hatte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ebenfalls gewarnt, dass mit einer globalen Erwärmung um etwa 3,5 Grad zu rechnen ist, wenn keine weitreichenden Maßnahmen ergriffen werden, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern.

Der Deutsche Wetterdienst hat einen "Klimaatlas Deutschland" ins Internet gestellt. Der Atlas verknüpft aktuelle Klimadaten mit den Mittelwerten der Vergangenheit und den Projektionen der Klimaforschung bis zum Jahr 2100.

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