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Klimakrise:Der heiße Juni und seine Folgen

Badende vor dem Eiffelturm: In Frankreich war die Hitzewelle besonders extrem.

(Foto: Zakaria Abdelkafi/ AFP)

Der vergangene Monat hat fast überall Temperaturrekorde gebrochen. Was sind die Konsequenzen, und werden jetzt alle Sommer so? Fragen und Antworten.

Fürs Erste scheint die Hitzewelle in Europa vorüber zu sein: Eine Nordwest-Strömung bringt vor allem nach Norddeutschland deutlich kühlere Luft. Südeuropa bleibt sehr warm, aber auch dort sind die Temperaturen im Vergleich zur letzten Juniwoche gefallen. Zeit also, Bilanz zu ziehen: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie heiß war es insgesamt?

In Deutschland, in Europa und weltweit - der vergangene Monat war der wärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Durchschnittlich war es in Deutschland 19,8 Grad Celsius warm, 0,4 Grad wärmer als im Extremsommer 2003. Den Mittelwert von 1981 bis 2010 übertrifft der diesjährige Juni sogar um vier Grad. Eine neue deutschlandweite Juni-Rekordtemperatur meldeten Coschen in Brandenburg und Bad Muskau in Sachsen mit jeweils 38,6 Grad. Dabei lag Deutschland eher am Rand der Hitzewelle, die ab Mitte Juni heiße Saharaluft nach Kontinentaleuropa brachte, mit stellenweise sechs bis zehn Grad über der Norm.

Wo war es am wärmsten?

In Südwestfrankreich wurde am 28. Juni ein neuer nationaler Temperaturrekord gemessen: 45,9 Grad in Gallargues-le-Montueux. Das sei "eine Temperatur, wie man sie im August aus Furnace Creek, Death Valley, kennt", kommentierte der französische Wetterdienst. Auch in Spanien herrschten Ende Juni verbreitet mehr als 40 Grad. In Katalonien wüteten die schlimmsten Feuer der letzten 20 Jahre, rund 6500 Hektar Fläche waren laut BBC betroffen. Rekorde wurden auch aus Österreich, der Schweiz, Polen und Tschechien gemeldet. Bei so vielen Extremen vor der Haustür wäre das vielleicht größte Drama leicht zu übersehen: Die Ausdehnung des arktischen Meereises war Mitte Juni so gering wie noch nie zu dieser Jahreszeit. Schon bevor Europa von der Hitze getroffen wurde, waren die Temperaturen in Grönland erhöht. Ein Tauen in dieser Größenordnung ist dort normalerweise erst im Hochsommer zu erwarten.

Ist das der Klimawandel?

Man wird nie ein Wetterereignis eindeutig kausal auf den Klimawandel zurückführen können. Allerdings macht der Klimawandel natürlich unter anderem Hitzewellen sehr viel wahrscheinlicher und damit auch häufiger. Laut Forschern des internationalen "World Weather Attribution"-Projekts wurde die Hitzewelle in Frankreich durch die Klimaerwärmung fünfmal wahrscheinlicher - mindestens, ganz genau lässt sich das nur schwer bestimmen. Zumal das Klima auf mehreren Ebenen Einfluss hat: So haben sich die Temperaturen in Mitteleuropa bereits um rund 1,5 Grad erhöht. Hinzu kommen Veränderungen in den Luftströmungen, die bewirken, dass heiße Luft leichter weit nach Norden gelangt und das Wetter länger an einem Ort gleich bleibt.

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Gibt es Gesundheitseffekte?

Steigt die Temperatur der Körperoberfläche bei Hitze, belasten die körpereigenen Mechanismen zur Temperatursenkung vor allem Herz, Kreislauf und Wasser-Elektrolythaushalt. Die Hautgefäße weiten sich, dadurch wird die Hautdurchblutung erhöht, in der Folge sinkt der Blutdruck, die Herzfrequenz steigt. Schwitzen ist der wichtigste Kühlmechanismus des Menschen. Wenn die Körperkerntemperatur auf mehr als 40 Grad ansteigt, wird kein Schweiß mehr abgesondert, die Haut ist rot, heiß und trocken. Der Wärmestau belastet das Herz und kann zu Zellschädigungen führen, besonders Säuglinge und alte Menschen sind gefährdet. Es drohen Koma, Schock und Organversagen, sowie eine Zerstörung der Zellen beginnend im Darm und in der Muskulatur.

Sterben Menschen an der Hitze?

Aktuelle Zahlen für die Hitzewelle 2019 gibt es noch nicht. Die Hitzewelle im August 2003 forderte nach diversen Berechnungen in Europa zwischen 22 000 und 50 000 Opfer, es waren fast ausschließlich ältere Menschen betroffen. Forscher aus Österreich ermittelten bei Personen über 65 Jahren, dass es in den Jahren 1998 bis 2004 in Wien durch Hitzebelastungen täglich vier zusätzliche Todesfälle gegeben hat und damit die Gesamtmortalität an Hitzewellentagen um 13 Prozent erhöht war.

Kommt wieder eine Dürre?

Laut dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung ist die Situation in Deutschland derzeit zweigeteilt. Während es im Süden Deutschlands weniger Probleme gibt, fehlt vor allem im Nordosten das Wasser. Dort sei der Boden bis in 25 Zentimeter Tiefe zu trocken. In tieferen Bodenschichten bis 1,80 Meter zeigt der Monitor sogar großflächig eine außergewöhnliche Dürre an. Das führe zu erhöhter Waldbrandgefahr und lasse die Bäume weniger widerstandsfähig gegen Schädlinge werden. Ob es so bleibt oder doch noch genug Regen auch in den trockenen Regionen fällt, ist derzeit nicht abzusehen. Einzelne Gewitter werden das Problem jedoch nicht lösen, auch wenn sie sehr heftig ausfallen. Auf dem ausgetrockneten Boden fließt das Wasser schnell wieder ab.

Sind künftig alle Sommer heiß?

Klimaforscher sind sich einig, dass Hitzewellen in Zukunft häufiger auftreten und wahrscheinlich auch intensiver werden. Temperaturen über 40 Grad kann es auch in Deutschland zukünftig häufiger geben. Durch den Klimawandel steigt nicht einfach nur die durchschnittliche Temperatur in der Atmosphäre. Auch globale Luftströmungen verändern sich, wodurch an manchen Orten häufiger Hitzewellen auflaufen, an anderen jedoch durchaus auch seltener. Die Hitzewelle im Juni wurde durch ein Tiefdruckgebiet verursacht, das heiße Luft aus der Sahara in den Norden schaufelte. Diese spezielle Wetterlage muss durch den Klimawandel nicht unbedingt häufiger werden. Im Jahr 2017 berechneten die Klimaforscher Andrew King und David Karoly, dass die bisherige globale Erderwärmung Extremsommer wie im Jahr 2003 bereits um 25 Prozent wahrscheinlicher macht. Erwärmt sich die Welt um zwei Grad, werden solche Sommer die Regel sein.

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